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BW Bank: “Digitale Innovationen enden hier nicht an der Landesgrenze!”

Stuttgart 09.05.2017
Der 40-jährige Oliver Klemm ist Projektleiter für digitale Innovationen bei der Baden-Württembergischen Bank in Stuttgart. Mit digitalen Innovationen möchte sich die BW-Bank im Retailbanking vom Wettbewerb differenzieren und arbeitet in verschiedenen Projekten an der digitalen Transformation.

Sputnika: Oliver, kannst du uns etwas zu deinem beruflichen Hintergrund verraten?

Oliver Klemm: Ich habe viele Jahre im klassischen Marketing gearbeitet und nebenberuflich BWL mit Schwerpunkt Marketing studiert. Seit 2009 bin ich bei der BW-Bank in Stuttgart und dort Projektleiter für digitale Innovationen im Retailbanking, also im Privatkundensegment. Das beinhaltet, dass wir zum einen den “digitalen Standard” unserer Wettbewerber im Blick behalten, vor allem aber digitale Innovationen vorantreiben, um uns von diesen abzuheben. 

Sputnika: Der Finanzmarkt ist für seine strengen Regularien bekannt. Wirklich digitale Marketing-Innovationen kommen wenn, dann eher von Fintechs. Die großen traditionellen Banken, die das beobachten und teilweise auch finanzieren, halten sich aktuell eher noch zurück. Wie ist Deine Einschätzung dazu? 

Oliver Klemm: Das sehe ich etwas anders. Natürlich ist der Bankenmarkt extrem reguliert,  aber die Branche arbeitet an innovativen  Angeboten und Services die Kunden echte Mehrwerte bieten. Der Wandel in den Köpfen der Mitarbeiter, was digitale Vermarktungschancen betrifft, macht auch bei uns nicht halt. Im Gegenteil, ich treffe bei der BW-Bank auf eine offene Kultur, die zulässt, Dinge auszuprobieren und voranzutreiben. Das hat etwas von einer StartUp-Mentalität. Die Unterstützung aus dem Management ist da ganz wichtig.

Sputnika: Kannst Du uns Innovationen nennen, die bei euch auf der grünen Wiese entstanden und heute im Einsatz sind? 

Oliver Klemm:  Wir waren als eine der ersten Banken in Deutschland mit unserer Crowdfunding Plattform BW-Crowd am Markt. Aktuell arbeiten wir im Rahmen eines Startup-Projekts an einer neuen Crowdinvesting Plattform speziell für Vereine. 

Außerdem haben wir letztes Jahr unsere Investment App AssetGo auf den Markt gebracht. Hier bieten wir den Nutzern die ausgezeichneten Marktinformationen des LBBW-Research, gepaart mit der Möglichkeit Wertpapiergeschäfte mobil zu erledigen. Und mit unserer Service-Community “meine.bw-bank.de” haben wir eine Plattform geschaffen bei der sich Kunden gegenseitig helfen. Neben dem “klassischen” Service in der Filiale bauen wir hier die Brücke in die digitale Welt und forcieren den Austausch untereinander und mit der Bank. 

Sputnika: Ok, zwei Beispiele die aus unserer Sicht nicht Bankingprozesse oder Serviceprozesse im Kern betreffen, sondern eher Kommunikation mit Kunden am Rande verändert. Gibt es Innovationsansätze, die man sich intern anschaut, die man “disruptiv” nennen könnte?

Oliver Klemm: Mit unserer Service-Community ändern wir unsere Rolle in der Kundenkommunikation. Kunden die dasselbe Problem haben helfen sich gegenseitig oft viel schneller und beschreiben die Lösung verständlicher als wir mit unserem “Bankerdeutsch”. Hierfür bietet die Community die richtige Plattform, die Bank moderiert das Ganze und sorgt für die Qualitätssicherung. 

Das BW Bank Service Hub by Graphic Recorder
Das BW Bank ServiceHub / Grafik von Graphic Recorder

Ein besonders spannendes Projekt ist unser Corporate Startup. Hier arbeiten wir im Rahmen des Stuttgarter ACTIVATR Programms im interdisziplinären Team, bestehend aus Pionieren der Startup-Szene sowie aus Bank-Mitarbeitern. Die Teams sind so zusammengestellt, dass sich die Mitglieder hinsichtlich ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse optimal ergänzen. Es werden Ideen und Geschäftsmodelle im zuvor definierten Themenfeld entwickelt. Gearbeitet wird nicht in der Bank sondern im Workspace mit anderen Startups. Ziel ist die Gründung eines Corporate-Startups. Diese beiden Beispiele würde ich für unser Haus durchaus als „disruptiv“ bezeichnen.

Sputnika: An welchen regionalen Projekten arbeitest du ganz aktuell? Welche Problemlösungen kann die BW-Bank zukünftig hier in der Region bieten?

Oliver Klemm: Wir haben natürlich den regionalen Fokus auf unseren Kernmarkt Stuttgart und Baden-Württemberg, aber digitale Innovationen enden hier nicht an der Landesgrenze. Wie zuvor schon erwähnt arbeite ich aktuell mit einem Team im Corporate StartUp an einer Crowdinvesting Plattform für Vereine. Neben den etablierten Crowdinvesting Startups wollen wir mit unserer Idee die Regionalität und auch die emotionale Bindung zum Verein in den Vordergrund stellen. 

Dass heißt Vereinsmitglieder können direkt in Projekte Ihres Vereins investieren und erhalten neben der monetären Rendite auch eine emotionale Rendite in dem Sie direkt vom Vereinsprojekt profitieren. Das Projekt nennt sich Xavin und hier spielen wir als Bank unsere Stärken in Form von Präsenz vor Ort und die Nähe zu den Kunden aus. Mit unserer Crowdfunding Plattform haben wir bereits bewiesen, dass es funktioniert.  Bei diesem Projekt arbeiten wir parallel mit Teams von Bosch, Recaro und Stihl im Live@Leitz. Der offene Austausch und das gegenseitige Lernen stehen hier im Vordergrund. Von der Idee bis zum Konzept hatten wir nur drei Monate Zeit und mussten vor dem LBBW-Vorstand für das Umsetzungsbudget pitchen. Das ist StartUp-Life pur. Mit allen Höhen und Tiefen. Im Moment starten die ersten Pilotprojekte und im Juni findet der Pitch für die Folgefinanzierung vor dem Vorstand statt. Bis dahin muss das Startup marktreif sein. 

Screenshot Pilotprojekt xavin.eu

Sputnika: Welche digitalen Innovationen in der Finanzbranche empfindest Du derzeit am spannendsten und warum?

Oliver Klemm: Im Moment entstehen neben Fintechs, sogenannte Regtechs, diese Startups entwickeln “einfache” Lösungen für regulatorische Themen und Prozesse. In diesem Bereich steckt irre viel Potenzial. 

Sputnika: Wenn man Interesse an solchen Dingen hat, kann man Dich auch auf dem MARKENCAMP als Gast treffen. Was gefällt Dir besonders an diesem Format?

Oliver Klemm: Das stimmt. Ich freue mich schon sehr auf das Event, insbesondere weil es diesmal in Stuttgart stattfindet. Ich bin bereits von Anfang an dabei. Bei mir war es so ähnlich wie bei vielen anderen Teilnehmern. Ich komme auch aus der Marketing-Club Ecke und war irgendwann zu alt für die Junioren-Veranstaltungen . Um dieses wertvolle Netzwerk für sich zu nutzen bzw. die vielen Kontakte nicht zu verlieren, bietet das MARKENCAMP ein ideales Format. Ich empfinde das Netzwerk als sehr lebendig. Fast schon wie ein Klassentreffen. 

Sputnika: Nun steht der Spaß sicherlich im Vordergrund, aber wie schätzt Du das Network von der fachlichen Komponente her ein?

Oliver Klemm: Ganz ehrlich, ich hab das Netzwerk schon oft für mich nutzen können. Sei es bei Empfehlungen von Dienstleistern bis zu konkreten Fragen in meinem Arbeitsumfeld. Hier findet man Gleichgesinnte, Sparringspartner und Menschen, die über den Tellerrand blicken und sich in Ihren Themenfeldern wirklich auskennen. Wer offen ist für Austausch, findet sich schnell aufgehoben. Natürlich bietet die Veranstaltung auch immer ein interessantes Rahmenprogramm, aber in der Tat empfinde ich die Möglichkeit Menschen zu treffen, die mit ähnlichen Problemstellungen und Sichtweisen umgehen können als sehr nützlich. 

MARKENCAMP 2016 (Red Night) in Hamburg

Sputnika ist Medienpartner des MARKENCAMP 2017 vom 18.-20.Mai in Stuttgart. 

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