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#digitalfood – Die Lebensmittel- und Konsumgüterbranche im Wandel

Berlin 01.03.2017
Die Zukunft im Bereich der Lebensmittelindustrie ist zum Greifen nahe, an allen Ecken und Enden kann man es schon spüren. Verena Nabrotzky ist Business Director International bei Shanghai.Berlin und Inhaberin der i for you Communications Consultancy. In einem Gastbeitrag beschreibt Sie, wohin die Reise geht, und was Unternehmen tun können, um den Anschluss an den Wettbewerb nicht zu verpassen.

Noch wirkt es so, als sei alles beim Alten: Wir schreiben Einkaufslisten, gehen zum Einkaufen in den Supermarkt und bringen unsere Produkte selbst dorthin, wo wir sie konsumieren möchten. Wenn wir ganz fortschrittlich sind, bestellen wir die Waren des täglichen Bedarfs online, zum Beispiel indem wir auf ein Rezept klicken und die dazugehörigen Zutaten gleich nach Hause geliefert bekommen. Und selbst das scheint angesichts aktueller Entwicklungen geradezu rückständig.


Verena Nabrotzky (Shanghai.Berlin & iforyou Communications Consultancy)

Viele Dienstleistungen und Technologien, die heute noch futuristisch klingen und allenfalls von wenigen Nerds genutzt werden, könnten morgen schon Alltag sein: SmartHome-Apps, die den Inhalt unseres Kühlschranks kennen, Küchenherde, die nahezu selbsttätig kochen, verschiedenste Online-Shopping-Möglichkeiten und Drohnen, die punktgenau ausliefern. Das alles gibt es schon oder befindet sich bereits in der Testphase. Schauen wir nach Japan, gibt es dort sogar schon die Möglichkeit, Produkte per Bild-Scan einfach unterwegs einzukaufen und sich direkt nach Hause liefern zu lassen. Alles nur ein Vorgeschmack auf die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, die der digitale Wandel mit sich bringt und die wir sicherlich auch bald in Deutschland nutzen können - schneller als wir es heute erahnen.

All diese Technologien werden unsere bisherigen Konsum- und Einkaufsgewohnheiten nachhaltig beeinflussen und bestimmen, wie wir leben, einkaufen und essen. Dies zeigt zum Beispiel der ThermoMix, der beispielsweise einen Convenience-Gedanken bedient, dem bislang nur Fertiggerichte oder Fix-Produkte gerecht wurden.

Bei Herstellern und Händlern findet seit einigen Jahren ein Umdenken statt. Um bei der Konsumentenansprache erfolgreich zu sein, bedarf es Mut, Dinge anders zu machen, Innovationswillen und einer vorausschauenden Denkweise. Wo kann ich künftig meine Zielgruppe erreichen und wie kommuniziere ich mit ihr? Für den Vertrieb sollten gezielt Ressourcen genutzt werden, die außerhalb des eigenen Unternehmens liegen, zum Beispiel durch Kooperationen. Nur durch die Digitalisierung der Wertschöpfungskette werden Händler Kundenbedürfnisse noch besser analysieren, verstehen und erfüllen, und somit ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten können. Procter & Gamble (P&G) hat schon 2015 mit dem Amazon-Dash-Button (ein mit WLAN verbundenes Gerät, mit dem Verbraucher via Knopfdruck bestimmte Produkte, zum Beispiel Waschpulver oder auch Katzenfutter, nachbestellen können) vorgemacht, wie das in Zukunft funktionieren könnte. Sicherlich erstmal ein Testballon, aber es zeigt, dass alles noch einfacher, bequemer und schneller erledigt werden kann.

Amazon Fresh oder Amazon Pantry, dessen Launch in Berlin mit Spannung erwartet wird, sind weitere Beispiele dafür, wohin die Reise gehen könnte. Der Druck auf die Händler und damit einhergehend auch auf die Marken wird sich massiv erhöhen. Positiv ist, dass langfristig das Lebensmittelangebot individueller abgestimmt, qualitativ hochwertiger und gesünder sein wird. Ernährungstrends sind schneller verfügbar und es könnte nachfragegenau produziert werden. Überproduktionen und Verschwendung von Lebensmitteln könnten reduziert werden. Wir dürfen gespannt sein. Sicher ist schon jetzt, dass der Konsument von allen Entwicklungen am meisten profitieren wird. Natürlich bedeuten die digitalen Umbau- und Transformationsprozesse auf Unternehmensseite hohe Investitionssummen. Es ist jedoch zu erwarten, dass diese sich nur wenig auf den Preis für Lebensmittel niederschlagen werden, da die deutschen Verbraucher im Bereich Lebensmittel äußerst preissensibel sind.

Wie bereits erwähnt, beeinflusst der digitale Wandel vor allem auch die Art, mit dem Konsumenten zu interagieren. Die reine Warenpräsentation im Supermarkt steht als Kaufimpuls-Geber nicht mehr alleine dar. Die neue Food-Bewegung findet mehr und mehr im Netz statt - also müssen auch die Händler dorthin. Social Media ist in der Kommunikations-Klaviatur nicht mehr wegzudenken und gerade für die jüngeren Zielgruppen ein Pflicht-Tool. Dieses Potential sollten Unternehmen für sich nutzen. Pull-Marketing mit Maßnahmen wie Social Media, Dialog und Content statt Push-Marketing. Der ROI wird deutlich höher liegen als wenn man weiterhin nur wie bisher in den klassischen Medien präsent ist. Konzerne wie P&G investierten entsprechend bereits 2013 bis zu 35 Prozent ihrer Marketing-Spendings in digitale Auftritte. Die Zahl dürfte heute nochmal deutlich höher liegen. Überraschenderweise sind es trotzdem noch immer verhältnismäßig wenige der sogenannten Schnelldreher, also Händler und Hersteller von Konsumgütern des täglichen Bedarfs, die sich konsequent im Netz präsentieren.

Damit dies nicht so bleibt, bemühen sich etablierte Konzerne derzeit um neue Liaisons. So hat Apple’s Tim Cook unlängst Kitchenstories in Berlin besucht, die eine sehr erfolgreiche App entwickelt haben, in der Kochrezepte anhand von Erklärvideos dargestellt werden. Anscheinend schafft es ein kleines Startup Kulinarisches begehrlicher und zeitgemäßer zu präsentieren als so manch einer von “den Großen”. Es bedarf keiner Weissagung, dass langfristig völlig andere Marken das Vertrauen der Konsumenten wecken und den bestehenden Marken Konkurrenz machen werden, auch wenn sie aus heutiger Sicht noch gar nicht im direkten Wettbewerb zueinander stehen.


 

Bildnachweis: pixabay, blasterhub

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