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Ein Relikt der Handwerkskunst in Bildern

Leipzig 01.02.2018
Für die IG BCE dokumentierte Michael Bader Fotografie die Arbeit einer der letzten traditionellen Glashütten Deutschlands

Im Auftrag der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie und Energie (kurz: IG BCE) ist Michael Bader regelmäßig mit seiner Kamera unterwegs. Er macht Reportage-Bilder von Versammlungen, Streiks und anderen Aktionen oder liefert Bildmaterial für Betriebsportraits. Zumeist sind seine Arbeiten im Mitgliedermagazin der IG BCE mit Namen Kompakt zu sehen.

Glas für die ganze Welt

Für einen Beitrag des Magazins war Michael Bader mit einem Redakteur im bayrischen Waldsassen unterwegs. Hier besuchte er die Glashütte Lamberts – die letzte Hütte hierzulande, die Flachglas noch ganz traditionell mundgeblasen herstellen kann. Seit nunmehr 111 Jahren produziert man hier nach dem immer gleichen Verfahren neben Flachgläsern in Tausenden unterschiedlichen Farbtönen auch Kathedralglas, Alt- und Neuantikglas, sogenannte Butzen und farbige Glastafeln. Die Erzeugnisse aus Waldsassen schmücken historische Bauten, Kunstwerke, Denkmäler und Sakralbauten weltweit – von der Kathedrale Notre-Dame im französischen Reims bis zur Kaohsiung Main Station in Taiwan. Seit 2015 ist die Glashütte Lamberts sogar im bayerischen Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes eingetragen.

Hitze, Feuer, echte Kerle

Für Michael Bader, der schon Kohlekumpel und Industriearbeiter abgelichtet hat, war das Shooting in der Glashütte einmal mehr eine ganz besondere Erfahrung:

„Es entsteht eine fließende Harmonie, wenn die Männer aus dem Rohstoff das fragile Produkt Glas blasen. Wie Zahnräder in einem Uhrwerk greifen die Handbewegungen der Arbeiter ineinander. Die Kombination aus alten Werkzeugen, Hitze, Feuer und dem fast tänzerischen Umgang der Glasbläser mit der Materie macht den Reiz aus, den ich versucht habe in meinen Bildern einzufangen.“

Bei Lamberts in Waldsassen traf der Fotograf aber nicht nur auf echte Kerle, die ihr Handwerk lieben und ordentlich zupacken, sondern auch auf eine besondere Location: eine alte Holzträger-Halle. Sie wurde 1896 erbaut und bietet neben einer seltenen Dachkonstruktion auch jede Menge Öfen, Abkühlbecken und unverkleideter Rohrleitungen – genau die passende archaische Szenerie für die Bilder Michael Baders.

Für sein Shooting begleitete der Fotograf die 25 Männer und eine Frau durch ihren Arbeitstag. Dabei bekam er einen Einblick in einen harten Job, der noch nie ein typischer Frauenberuf gewesen ist. Die Handgelenke werden vom hohen Gewicht der Glasbläserpfeifen voll glühendem Material stark beansprucht, weswegen der Beruf auch nicht bis zum Rentenalter ausgeübt werden kann. Aus Tradition beginnen die Glasbläser ihr Tagwerk übrigens auch heutzutage noch sehr früh. Der Grund: Einst – in Zeiten ohne Klimatisierung – wollten die Handwerker weit vor der Mittagshitze mit ihrer schweißtreibenden Arbeit fertig sein.

Waldsassen revisited

Mit der Reportage für die IG BCE ist das Kapitel Lamberts in Waldsassen für Michael Bader jedoch nicht beendet. Dazu noch einmal der Fotograf:

„Der Besuch bei den Glasbläsern hat mich wirklich beeindruckt. Das Zusammenspiel aus urtümlichem Umfeld und den filigranen Bewegungen der Handwerker bietet einfach äußerst reizvolle Motive. Die Beschäftigung mit Berufen, die auch in der heutigen technisierten Welt noch mit den einfachsten Mitteln auskommen, fasziniert mich immer wieder aufs Neue.“

 

Bildquelle: Michael Bader Fotografie

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