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Ein Vierteljahrhundert Gratis-Postkarte

Dresden 18.10.2017
In Zeiten der digitalen Informations- und Werbeflut erlebt ein Medium 25 Jahre nach seiner “Erfindung” gerade eine neue Hochphase: Die Gratis-Postkarte. Dagmar Fiebig von CityCards Dresden blickt zurück und erklärt, warum DIN A6 trotz oder wegen des Internets noch immer funktioniert.

Sputnika: Dagmar, für alle, die Gratispostkarten nicht kennen sollten, erklär doch mal bitte, worüber wir hier reden.

Dagmar Fiebig: Gratis-Postkarten sind ein Werbeträger, der vor allem in Gastronomie-Einrichtungen zum Mitnehmen ausliegt. Anders als Flyer wirken sie durch das festere Material und die Präsentation in Postkartenständern hochwertiger und aufgeräumter. Sie sprechen mit einer oft provokativen oder humorvollen Gestaltung ein ausgehfreudiges, junges Publikum an. Über das CityCards Netzwerk können Gratis-Postkarten deutschlandweit eingesetzt werden.

Wer oder was ist CityCards? 

CityCards ist der Zusammenschluss von 22 Agenturen in ganz Deutschland, die, genau wie wir, Anfang der 90er angefangen hatten, in ihrer Stadt oder Region Postkarten zu verteilten. Der Verband entstand 1995 aus dem Wunsch der Kunden heraus, auch überregional mit Gratis-Postkarten zu werben. In Dresden sind CityCards mit rund 200 Kneipen, Restaurants und Kulturlocations das größte Netzwerk für Gratispostkarten. Deutschlandweit versorgt CityCards rund 7000 Locations in über 90 Städten.

Wie funktioniert das, wenn ich mit Gratis-Postkarten werben möchte?

Der Werbekunde liefert etwa zwei Wochen vor Kampagnenstart ein Motiv an - oder wir als SUBdesign unterstützen ihn bei der Gestaltung. Der Druck erfolgt je nachdem wo die Postkarten erscheinen sollen, dezentral, um Logistikaufwände zu reduzieren. Der jeweils zuständige CityCards Partner kümmert sich um Druck und Verteilung der Postkarten in den Locations. Das Sortiment wechselt übrigens wöchentlich. Wir machen Fotos von den Displays und erfassen die Anzahl an Karten, die nach einer Woche noch vorhanden ist. So ermitteln wir für den Kunden den Erfolg der Kampagne.

A propos Erfolg: In Zeiten von äußerst zielgruppengenauer Online-Werbung dürfte so ein klassisches Medium einige Streuverluste haben. Warum setzen es Werbekunden im Mediamix dennoch ein? 

Es zählen hier aus meiner Sicht zwei Aspekte: Die Streuverluste sind nicht so immens wie in klassischen Print-Anzeigen, denn wir können das ausgehfreudige Volk doch recht gut fassen: Menschen zwischen 18 und 34 Jahren nehmen die Karten regelmäßig in Kneipen und Cafés mit. Etwas älter ist das Klientel in Restaurants und Kultureinrichtungen. Sie sind überdurchschnittlich gebildet, verdienen gut und gehen oft mehrmals pro Woche aus. Was jedoch fast noch wichtiger ist: wer in die Kneipe geht, ist entspannt und aufnahmefähig. Die Karten werden freiwillig mitgenommen, weil sie interessant und lustig sind und hochwertig im Displayständer präsentiert werden. Und die Bindung zu diesem Werbemedium ist sehr hoch: man zeigt sie noch in der Kneipe seinen Freunden, redet darüber oder geht direkt auf die Webseite, die auf der Rückseite steht. Welches andere Werbemittel kann das denn leisten? Ich habe den Eindruck, dass Werbekunden ihre Erfahrungen mit anderen Kanälen gesammelt haben und nun wieder feststellen, dass Gratis-Postkarten einen festen Platz im Mediamix haben sollten. Ich bin fest davon überzeugt, dass Postkarten auch weiterhin funktionieren. Deswegen werden das CityCards Netzwerk und die Zahl der Locations auch weiter wachsen.

Für welche Werbetreibende eignen sich denn Postkarten überhaupt?

Entsprechend der Zielgruppe in den Locations sind es oft hochwertige Endverbraucher-Produkte und Dienstleistungen, die - je nach Verbreitungsgebiet mit regionalem Bezug - beworben werden. Auch Aufklärungs- und Informationskampagnen oder Recruiting-Kampagnen sind dabei. Aktuelle Flights laufen z.B. von Daimler, verschiedenen Krankenkassen oder der Europäischen Kommission (“Es ist Dein Europa”). Klassisch sind auch Einladungen zu Kunst- oder Kulturveranstaltungen. Unsere Kunden sind beispielsweise die Filmnächte am Elbufer, die DVB oder das THW.

Du hast für CityCards Dresden jede Menge Kampagnen betreut. Was sollte man als Werbetreibender beachten? Hast Du Empfehlungen für die Gestaltung einer erfolgreichen Postkarte?

Wir erleben bei der Gestaltung eine Entwicklung. Während in den Anfangsjahren die Motive auf der Vorderseite sehr künstlerisch waren, funktionieren heute die Karten mit Humor und guten Sprüchen am besten. Die Gestaltung ist meist sehr plakativ und reduziert: eine grelle Grundfarbe, ein knackiger Satz oder eine Illustration. Das reicht völlig, um von visuell überfluteten Menschen wahrgenommen zu werden. Die Rückseite sollte dann eine kurze Internetadresse oder einen QR Code enthalten, damit der Schritt auf die Website leicht ist. Gewinnspiele funktionieren natürlich sehr gut, um ausgehend von der Postkarte Nutzer auf die Website zu bekommen und Leads in Form von Gewinnspielteilnehmern zu generieren. Was ebenfalls auffällig ist: die Karten werden zunehmend auf 100% Öko-Papier gedruckt.

Und was kosten Gratis-Postkarten?

10.000 Postkarten kosten z.B. inklusive Druck und Verteilung 1.380 Euro, für Kunst-und Kultur-Einrichtungen ist es günstiger. In Dresden sind 10.000 Stück ausreichend, um in den 200 Locations eine Woche lang je 50 Postkarten zu platzieren. Um in ganz Deutschland zu werben, werden pro Woche 350.000 Postkarten benötigt, der Preis liegt hier bei rund 35.000 EUR. Eine Postkarte kostet also zwischen 10 und 14 cent. Das klingt erst einmal viel. Unsere Erfahrung zeigt aber, dass das sehr gut investiert ist. Denn jede Postkarte wird im Schnitt von drei Personen gelesen - und zwar freiwillig. Postkarten werden mit nach Hause genommen, verschenkt, verschickt, an die Pinwand geheftet… Die Werbewirkung ist also bedeutend höher als die eines Flyers, einer Printanzeige oder eines gesponserten Posts bei Facebook. 

Danke, Dagmar für diese Einblicke!

 

Bildquelle: SUBDesign

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