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„Frauen lösen Probleme mit anderen Strategien“

Dresden 07.12.2017
Hallo Jungs! Wenn Frauen angebliche Männerberufe ergreifen, bringt das Veränderung – zwei IT-Expertinnen und ein Geschäftsführer berichten aus ihrem Alltag bei 3m5.

Frauen sollen öfter mal sogenannte Männerberufe ergreifen, heißt es. Aber was ist, wenn sie es tatsächlich tun? Sind Unternehmen wirklich daran interessiert, gemischte Teams aufzustellen? Sind gemischte Teams besser? Zwei Entwicklerinnen, die dieses Jahr bei 3m5. angefangen haben, berichten über ihre Erfahrungen mit männlichen Kollegen, Chefs und Klischees. Und ein Geschäftsführer erklärt, warum er schon lange mehr Frauen einstellen wollte.

Kristin: Death Metal, Feuerwehr und IT

Wer die 35-Jährige kennenlernt, muss sich auf Überraschungen gefasst machen. Die Softwareentwicklerin arbeitet seit Mai bei 3m5. und ist dort Spezialistin für Frontend-Entwicklung mit JavaScript. Sie war nicht die erste Frau bei 3m5., aber eine der ersten festen Entwicklerinnen. Überraschenderweise hat sie Hobbys, die sie vor allem mit den Männern im Team besprechen kann: Boxen, Handwerken, Death Metal, Motorradfahren. „Ich steh auf Jungssachen“, sagt sie. Ihr Informatik-Studium hat sie sich mit Jobs auf dem Bau finanziert.

Männerdomänen sind kein Neuland für sie, sondern vertrautes Terrain. Den ultimativen Einbruch in eine Männerdomäne hat sie nicht bei 3m5., sondern mit ihrem Ehrenamt geschafft: Sie ist Kameradin bei der Freiwilligen Feuerwehr. Dass sie es dort schon sieben Jahre aushält, ist ebenfalls eine Überraschung. Denn wie viele Männerdomänen sind auch Feuerwehren nicht unbedingt frauenfreundlich. „In vielen Feuerwehren werden die Frauen rausgemobbt“, sagt sie. Bei ihren Kameraden sei das anders, sie ist eine von zwei Feuerwehrfrauen und hat 13 männliche Kollegen. Hier sind alle froh über neue Gesichter in der Runde, auch deshalb, weil es in dem Dorf in der Nähe von Dresden nicht viel Nachwuchs gibt.

Und was ist mit der Männerdomäne IT? Laut Branchenverband „bitkom“ sind nur 15 Prozent des Fachpersonals in deutschen IT-Firmen weiblich.

„Ich weiß aus Erfahrung, dass es IT-Firmen gibt, in denen es Frauen auch heute noch schwer haben“, sagt Kristin. „Bei 3m5. habe ich gemerkt, dass hier keiner ein Problem mit gemischten Teams hat – und auch nicht damit, dass ich mich meine Kinder vom Kindergarten abholen möchte, denn das machen hier alle, beim Chef angefangen.“

Michael: Gemischte Teams bringen bessere Lösungen

Dieser Chef ist Geschäftsführer Michael Eckstein. Er ist überzeugt davon, dass es nur in gemischten Teams die besten Lösungen gibt. Er sagt:

„Frauen lösen Probleme mit anderen Strategien, das ist bei der Projektarbeit im Team ein unendlich großer Gewinn.“

Nur so könne es bei 3m5., aber auch in der IT generell neue Ansätze geben.

„Wie hätten bei 3m5. gern schon eher mehr Frauen in der Programmierung eingestellt, aber erst in letzter Zeit haben wir verstärkt Bewerbungen von Informatikerinnen gehabt.“

Derzeit liege der Frauenanteil im gesamten Unternehmen bei 25 Prozent, in der Softwareentwicklung allerdings beim bundesweiten Durchschnitt von 15 Prozent. „Wir arbeiten daran, dass der Anteil weiter steigt“, sagt Eckstein.
 


Frauen entwickeln Software bei 3m5.: Kristin, Nicole und Dana (von links), Foto: Julius Erler

Nicole: Erntet überraschte Gesichter

Zu den neuen Fachkolleginnen gehört auch Nicole, 23, Spezialistin fürs Frontend. Auch sie kennt die überraschten Gesichter, wenn sie einer nach ihrem Job fragt. „Die erste Reaktion ist immer: Was? Machen das nicht nur Männer? Dann darf ich mich erst einmal rechtfertigen und erklären, warum mir das trotzdem Spaß macht. Wer mich länger kennt, stellt mir dann auch mal die technischen Fragen und nicht meinem Freund.“ Nervt das? „Manchmal schon, aber ich verstehe, dass es einige Zeit dauert, bis sich die Leute an neue Rollenbilder in einer Gesellschaft gewöhnen.“ Ihre persönliche Herausforderung: „Das Weltbild von manchen Menschen zu erweitern.“ Und wie läuft ihre Integration in die ehemalige Männerdomäne 3m5.?

„Hier läuft das zum Glück anders, ich kann hier so sein, wie ich bin und werde dabei nicht schief angeschaut, das ist eine perfekte Arbeitsatmosphäre, die ich mir manchmal auch im Alltag wünschen würde.“ Es spiele keine Rolle, dass sie eine Frau sei. „Hier fühle ich mich innerhalb des Programmierteams ernst genommen, und das hatte ich nicht unbedingt erwartet, weil ich das anders gewohnt war.“

 

 

Bildquelle: 3m5. / Julius Erler

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