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Gestatten, Art Director. – Was ist dieser Titel wert?

Dresden 22.02.2016
Was ein AD können muss, definiert jede Agentur individuell. Aber was sagt die Bezeichnung dann aus? Wir haben fünf große Dresdner Agenturen gefragt.

Art Directoren, das sind erfahrene und leitende Grafiker und Designer. Und da endet der Konsens auch schon. Denn was genau bedeutet „Erfahrung“, wie viel davon braucht ein AD? Und ist er auch Führungsperson? 

Weil der Titel in der Branche so unterschiedlich verwendet und interpretiert wird, wollen wir von Agentur Schröder wissen: Was genau tut der AD? Wie viel Berufserfahrung muss er haben? Und bietet der Titel bei der Suche nach neuen Mitarbeitern Orientierung? 


Markus Pieper, Geschäftsführer bei Sandstein Neue Medien:

Wir haben entschieden, den Titel nicht zu verwenden. Wenn wir bei Sandstein Neue Medien von Design reden, geht es um Screendesign, Interaktionsdesign, Usability, Barrierefreiheit – wir finden deshalb auch für unsere Kunden den Titel "Art Director" irreführend. Bei uns gibt es eine "Leiterin Grafikdesign“: Susanne Aurin leitet die Abteilung Grafikdesign, entscheidet über unsere Standards in diesem Bereich und hat in Zweifelsfällen das letzte Wort. Sie macht den Job seit 2000. 


Ein Designstudium und Berufserfahrung sind für gehobene Posten im Bereich Design unverzichtbar.


Grundsätzlich bietet der Titel „Art Director“ sicher Orientierung beim Recruiting, für uns sind Kenntnisse im Bereich Screendesign und Co allerdings wichtiger. 


Claudia Delang, Teamleiterin Screendesign bei webit!

Bei uns gibt es zwei Art Directoren, davon hat einer zusätzlich die Teamleiterfunktion inne.
Wir sind dafür zuständig, eigenverantwortlich Designs zu entwickeln und Projekte zu betreuen, Angebotsunterstützung für die Projektmanager zu leisten und abteilungsübergreifend auf die Qualität der Ergebnisse zu achten und für Prozessoptimierung zu sorgen.

In meiner Rolle als Teamleiterin bin ich darüber hinaus in die Konzeption eingebunden, halte Präsentationen beim Kunden, organisiere die Aufgabenverteilung im Team und betreue Studenten und Praktikanten.
Ein Studium ist für die Position des ADs nicht zwingend Pflicht, aber von Vorteil. Generell sollte ein AD über mehrere Jahre Berufserfahrung verfügen, fachlich gute Arbeit abliefern, Mentoring-Qualitäten mitbringen, ein Auge für neue Trends haben und seine Ideen verkaufen können. 

In Sachen Recruiting bietet der Titel auf jeden Fall Orientierung. Entscheidend sind aber nach wie vor das Portfolio und der persönliche Eindruck.
Ich denke, auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind Zeugnisse und Nachweise für fachliche Eignung weiterhin gefragt. Neben dem Portfolio hat man es als Designer mitunter schwer, da etwas vorzuweisen. 


Der Erwerb solcher Titel hilft auf jeden Fall, fachliche Entwicklungsschritte sichtbar zu machen. Das macht sich dann im Idealfall auch in der Bezahlung und bei der Entscheidungsmacht bemerkbar.


Claus Faber, Geschäftsführer bei ressourcenmangel Dresden

Der AD muss zwei Dinge können: nämlich zum einen „Art“ und zum anderen „Director“.„Director“ heißt, der AD ist kein Einzelkämpfer, sondern eher Dirigent, er orchestriert. Nämlich die „Art“, also Kunst – das Kreative. Ein guter AD bringt die kreativen Elemente – Idee, Text, Design – zu einem stimmigen Ganzen zusammen. AD sein heißt also erst einmal, Manager zu sein. Einzelne Topkreative anleiten. Ein AD muss wenigstens ein bisschen Ahnung von allen beteiligten Kreativdisziplinen haben – und deshalb nicht zwingend ein Designer sein, obwohl das oft die Regel ist. Wahrscheinlich weil dem Design in einer Kreation immer noch die zentrale Bedeutung zugemessen wird. 


Gute ADs haben immer eine Handschrift, man erkennt sie an vielen kleinen Details. In Summe machen sie häufig den Stil der Arbeiten einer Agentur aus.


Bleiben wir bei Designern: Studierte Designer sind nicht per se die besseren Designer oder umgekehrt. Aber man sieht den Arbeiten eines Designers häufig an, ob er an einer Hochschule ausgebildet worden ist: Sie sind sind häufig ausgefeilter, methodischer, ganzheitlicher.
Also, nicht nur für (angehende) ADs: Wenn es in den Lebensplan passt, nehmt euch die Zeit für ein Studium.
Bei ressourcenmangel gibt es am Standort Dresden eine Art Direktorin. Als diplomierte Designerin legt sie häufig selbst Hand an. Sei es mit konkreten Gestaltungsvorschlägen, mit Scribbeln oder dem fertigen Layout in Photoshop oder InDesign.

Die Position des ADs bringt demjenigen etwas, der weniger tief, aber dafür komplexer arbeiten möchte. Demjenigen, der so viel Gestaltungswillen hat, dass er es alleine gar nicht bewältigen kann. Für einen Designer ist der erste Schritt zum AD, wenn es ihn stört, dass in der Longcopy nur Blindtext steht. Der zweite, wenn er den Text auch gelesen und ihn verstanden hat.


Kevin Albrecht, Creative Director bei Mindbox

Aktuell gibt es bei uns zwei ADs, aber wir sind auch noch auf der Suche nach einem weiteren. Sie sind maßgeblich an der Ideenfindung und Konzeption von Websites, Apps und Social Media beteiligt, verantworten die visuelle Kreation eines Projektes und achten gleichzeitig auf eine gute Bedienbarkeit. Außerdem führen sie als Impulsgeber das Designteam.

Ein Studium ist eine gute Voraussetzung, ersetzt aber die Berufserfahrung nicht. ADs, egal ob studiert oder als Quereinsteiger, müssen in der digitalen Welt zuhause sein – Begriffe wie Informationsarchitektur, User Flow, Wireframes und Service Design gehören dabei genauso zum Handwerkszeug wie die gängigen Design-Tools. Kreativität, der Mut, immer wieder neue Wege zu gehen und ein umfangreiches, visuelles Repertoire sind ebenso wichtig. Immer mit dem Anspruch, etwas Neues zu schaffen. Außerdem braucht ein AD ein gutes Gespür für Trends und Innovationen und sollte im Groben wissen, was mit Webtechnologien möglich ist.

Das ist die fachliche Anforderung. 


Zwischenmenschlich muss ein AD in der Lage sein, sein Designteam zu kreativer Höchstleistung zu pushen, es mitziehen, motivieren und Impulse geben.


Der Titel ist für uns nur eine grobe Orientierung und erster Anhaltspunkt, weil er eben von Agentur zu Agentur anders interpretiert wird. Viel wichtiger sind Arbeitsproben und ob die Chemie zwischen einem Bewerber und der Agentur stimmt. 


Mario Kleint, Kreativdirektor bei Agentur Schröder

Ich verantworte bei uns als Kreativdirektor alle künstlerischen Prozesse im Bereich Kreation und arbeite zudem eng mit unserer Eventunit zusammen, liefere und diskutiere kreativen Input. Unsere Webdesigner, Mediengestalter und Illustratoren arbeiten als Spezialisten unter meiner Leitung.

Generell geht es bei uns nicht vordergründig um Berufserfahrung, Studienabschlüsse oder gewonnene Awards. Entscheidend ist Leidenschaft, detailverliebtes Arbeiten und eine starke Persönlichkeit! Wir bieten unserem Team viele Möglichkeiten zur weiteren Entwicklung durch Seminare, Workshops, Messebesuche oder akademische Weiterbildungen. Ich habe zum Beispiel berufsbegleitend Grafikdesign studiert, um mein Wissen und Handwerk noch weiter auszubauen.

Die Titel „Art Director“, „Creative Director“ oder ähnliches werden von jeder Agentur unterschiedlich interpretiert und spielen bei unserer Bewertung potentieller Bewerber eine untergeordnete Rolle. Wichtig für uns ist vielmehr eine Bewerbungsmappe mit einer klaren Aussage zur Design-Handschrift, Referenzprojekten und der Persönlichkeit dahinter.

Generell ist die Aufgabe eines ADs, das Kreationsteam zu führen und dessen Output gegenüber Kunden und der Geschäftsführung zu verantworten. Diese Verantwortung rechtfertigt auch eine höhere Vergütung. Ein Beweis, ein erfahrener Hase zu sein, ist der Titel eher nicht. 


Denn was ist der erfahrene Hase schon ohne die jungen Wilden im Team?

 

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