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Sprachsteuerung und Voice Search – Gedanken zum Datenschutz

Dresden 28.06.2017
“Google, was sind Pastinaken?” Google können wir ja schon seit längerem die sinnlosesten Fragen stellen, doch spätestens nach der Einführung von Amazon Echo ist Voice Search und Sprachsteuerung nun bei vielen sogar im heimischen Wohnzimmer angekommen. Doch wofür wird Voice Search eigentlich genau genutzt? Das Team der SEO-Küche erzählt, wer von der Sprachsteuerung profitiert und welche Vorteile sie mit sich bringt. Gleichzeitig weisen die Dresdner Marketing-Köche auf mögliche Nachteile hin. Wie war das noch gleich mit dem Datenschutz?

Laut einer Umfrage von Stonetemple verwenden bereits mehr als die Hälfte der Smartphone Nutzer Voice Search für ihre Online Suche. Ganze 63 Prozent der Deutschen gaben außerdem an, dass sie einen Sprachassistenten wohl am ehesten für die Steuerung ihrer Haushaltsgeräte nutzen würden (Quelle: Bitkom).

Die vielen Vorteile der Sprachsteuerung, die intensive Vermarktung in letzter Zeit und die Tatsache, dass Voice Search schon jetzt auf Milliarden von Geräten möglich ist, macht eine Markt-Ausbreitung in den nächsten Jahren mehr als wahrscheinlich. Die Stimme wird schließlich zur natürlichen Schnittstelle, die eine Verbindung zum Endgerät ohne Hilfsmittel ermöglicht.

Die Vorteile von Sprachsteuerung

Für Anbieter wie google oder Amazon liegen die Vorteile auf der Hand: Durch Voice Search erhalten sie noch mehr Daten, sind noch stärker in den Alltag der Kunden integriert und können letztlich ihr Angebot, aber auch ihre Werbung besser personalisieren. Auch entscheidet sich hier vielleicht sogar die Zukunft von Google als Quasi-Monopolist am Suchmaschinenmarkt. So wird Voice Search gleichzeitig zu einem weiteren Schlachtfeld im Kampf der Giganten, denn wer einen Amazon Echo im Wohnzimmer stehen hat, braucht vermutlich kein weiteres Voice Search Gerät.

Doch auch für den Nutzer sind ebenso viele Vorteile verlockend:

  • Komfort
  • Geschwindigkeit
  • Effizienz

Je nach Fähigkeit des Nutzers und dem alternativen Eingabegerät ist eine Suchanfrage per gesprochenem Wort deutlich schneller als getippt. Für die Eingabe von kompletten Nachrichten und Texten gilt dies sowieso.

Ein durchschnittlicher Nutzer kann etwa 40 Wörter pro Minute tippen, aber etwa 150 Wörter sprechen, wobei hier der Erfolg mit der Genauigkeit der Spracherkennung steht und fällt. 

Die Möglichkeit eine Suchanfrage ohne Einsatz der Hände zu starten oder das Licht auszumachen, ohne vom Sofa aufzustehen, wird demnach nicht umsonst auch in der Werbung gerne gezeigt. 

Die Kehrseite des Komforts

Das Dilemma der momentan erhältlichen Geräte: Um oben genannten Komfort zu bieten, muss das Mikrofon ständig an sein, da das Gerät sonst nicht per Sprachbefehl aktiviert werden kann. Wer das Mikrofon aus Sorge um Datenschutz physisch deaktiviert, nimmt dem Gerät somit seinen eigentlichen Sinn. Letztlich müssen die Nutzer Google oder Amazon insofern vertrauen, wenn ihnen versprochen wird, dass keine ständigen Aufzeichnungen stattfinden. Trotzdem ist das Misstrauen gegenüber Sprachassistenten noch immer groß. Dazu tragen besonders die Enthüllungen Edward Snowdens in der Vergangenheit bei, durch die vielen erst richtig klar wurde, wie leicht es für Hacker oder Geheimdienste wäre, die Geräte für Ihre Zwecke zu nutzen. So geben beinahe drei Viertel aller Deutschen die Sorge um private Daten als Grund für die Nichtnutzung von Voice Search und Sprachassistenten an (Quelle: Bitkom). 

Wohin gehen die Daten?

Doch auch ohne Voice Search hinterlassen wir, egal wie sehr man sich auch bemüht, schon jetzt unzählige Spuren im Netz über Cookies, Messenger-Apps oder den Fingerprint des eigenen Browsers. Digitale Sprachassistenten heben dies jedoch nun scheinbar auf ein neues Level. Alle Smart Home Geräte sind ständig im Horch-Modus, d.h. sie werden erst bei bestimmten Wörtern aktiviert. Ob schon vorher Daten gespeichert bzw. verschickt werden oder eventuell auch andere Schlagwörter eine Aufnahme auslösen können, lässt sich schwer prüfen. All unsere persönlichen Infos, selbst wenn sie nur bei Amazon oder Google landen, sind dort leider weder sicher noch kann dafür garantiert werden, dass sie nicht doch weiter verkauft werden. So greifen hier auch kaum deutsche Gesetze, wenn die gesammelten Informationen in die USA oder sogar in andere Länder mit noch niedrigeren Datenschutzauflagen übermittelt werden. Das ist jedoch nicht die einzige Tücke.

Was wird wann gespeichert?

Sobald das Aktivierungs-Wort fällt, werden alle Daten beispielsweise an Server von Amazon geschickt und dort verarbeitet. Neben den Suchanfragen zählen hier laut Nutzungsbedingungen auch „sonstige Informationen“, wie Einkaufs-, Musikwiedergabe- oder To-Do-Listen Auch sollte jeder Besitzer eines Voice Search-fähigen Geräts bedenken, dass Alexa, Siri und Co. auch auf die Zurufe anderer Personen reagieren. Dies gilt für unabsichtliches Aktivieren und ebenfalls für Kaufvorgänge ohne separate Bestätigung.

Ein Blick in die Zukunft

Voice Search und Sprachsteuerung haben also neben ihren Vorteilen noch immer einige Tücken, auch lässt sich schwer absehen, in welche Richtung sich die Nutzung dieser Sprachassistenten entwickeln wird. Reicht es in Zukunft zu husten, damit Alexa einem Hustentabletten anbietet? Bemerkt das System die emotionale Verfassung der Nutzer an der Änderung der Stimmlage und empfiehlt so von selbst andere Produkte oder Dienstleister? 
Eins steht jedoch schon jetzt fest: Wie eine richtige Assistentin, wissen Alexa, Siri oder Cortana viel über ihren “Chef”, bzw. bringen immer mehr über ihn in Erfahrung. Genau das könnte auch auf die digitalen Assistenten im allgemeinen zutreffen. Somit funktionieren Geräte mit diesen Assistenten umso besser, je mehr Informationen sie bereits über ihren Besitzer sammeln konnten. So werden Suchanfragen im Laufe der Zeit besser verstanden und das Nutzererlebnis durch jede weitere Anfrage gesteigert.
Ängste und Zweifel im Rahmen der Datensicherheit kamen in der Vergangenheit auch schon bei der Nutzung von Messenger-Apps oder sozialen Netzwerken wie etwa Whatsapp oder Facebook auf. Dabei ist den meisten Nutzern bewusst, dass die eigenen Daten an Firmen abgegeben werden oder teilweise öffentlich zugänglich sind. Im Austausch mit dem kostenlosen Service wird dies leider von der breiten Masse akzeptiert, was die Millionen Nutzer dieser Dienste deutlich aufzeigen. An dieser Stelle spielt im übrigen auch der Gruppenzwang eine große Rolle und so gewöhnt sich die Mehrheit nach und nach an diesen Aspekt, vergisst ihn oder ignoriert ihn einfach. Schließlich hat ja niemand etwas zu verbergen, oder? 

 

Bildquelle: zapp2photo / Fotolia

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