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Start-up Marketing: Was der Bauer nicht kennt... Oder warum Sie auf bewährte Tools setzen sollten

Leipzig 18.05.2018
In den ersten beiden Teilen widmeten wir uns dem erfolgreichen Markteinstieg und der kreativen Neukundengewinnung mit kleinem Budget. Zu guter Letzt geben Sensape und binee noch Tipps zu Tools und Technik und verraten ihre Marketing Fails.

Sputnika: Ihr habt im letzten Teil darüber gesprochen, dass Word-of-mouth und Messekontakte für euch sehr wichtig sind. Was nutzt ihr, um die Erfolge solcher Maßnahmen zu messen?

Justus Nagel/Sensape: Ich habe ein CRM mit dem ich erfasse, wo der Kontakt herkommt. Und dann sehe ich, ob der Kontakt konvertiert und wann er konvertiert. Also ein ganz klassisches CRM. Wir benutzen Pipedrive in Verbindung mit einem Tool, über das wir dann Rechnungen schreiben. Die sind miteinander verknüpft. Pipedrive ist dealbasiert. Das heißt, wir bekommen zum Beispiel eine Anfrage von einem Kunden, der unser Gerät für eine Veranstaltung mieten möchte. Ich habe den Kunden als generelle Entität und die Deals, die ich dann nachvollziehe. Wo kam der Deal her? Wo kam der Kunde her? Wieviel Deals hat er gemacht? Aber auch: Wo kam jeder einzelne Deal her, um dann herauszufinden, funktioniert das oder funktioniert das nicht? Das passt für uns einfach sehr gut. Und so messe ich alle Kanäle. Selbst, wenn ich jetzt mehr online mache, würde ich so messen.

Neue Kontakte unbedingt ins CRM eintragen: Bei Sensape erleichtert das die Messbarkeit ergriffener Maßnahmen

Martin Jaehnert/binee: Wir messen, wie viele Leute auf unserer Website sind. Wir sehen, wie viel ein Facebook Post bringt, ob er funktioniert und ein Publikum antriggert oder nicht. Und wir merken, woran Nachfrage entsteht. Wie viele Leute schreiben uns an und sagen: “das System funktioniert aber super. Oder das funktioniert gar nicht. Oder macht doch einmal bessere Gutscheine.”

Sputnika: Aus eurer jetzigen Perspektive mit den gemachten Erfahrungen: Was würdet ihr Gründern in Sachen Marketing raten, die jetzt ganz frisch anfangen?

Martin Jaehnert: Wenn ihr noch nicht finanziert seid, arbeitet mit dem, womit ihr euch wohlfühlt. Es erzeugt Souveränität, wenn man Tools benutzt, die man bereits einmal vorher benutzt hat. Wenn du gründest und Marketing sofort selbst machen willst, aber noch nie Twitter benutzt hast, und tweetest darauf los, dann strahlt das keine Souveränität aus. Man sollte zunächst einmal das Tool zu seiner Lebensrealität machen, ein bisschen damit herumspielen. Lieber zunächst einmal Souveränität aufbauen mit dem, was man nutzt.
 

Wie Sie mit einem neuen Produkt den Markteinstieg meistern, lesen Sie in Teil 1 unserer Start-up Marketing Serie.


Justus Nagel: Da würde ich auf jeden Fall zustimmen. Wenn man sich klassischerweise Startups anschaut, dann ist vor allem bei Investoren, die aus dem Online-Bereich kommen, immer der erste Gedanke cost per acquisition, per click, per  keine Ahnung... Ich kann dir bis heute noch nicht sagen, was es mich kostet, einen Kunden zu gewinnen, weil es mich manchmal einfach mehrere tausend Euro kostet und manchmal gar nichts. Es macht keinen Sinn. Was ich damit sagen will, ist, dass man schauen muss, in welcher Realität treiben sich meine Kunden herum und in welchem Markt treibe ich mich herum. Und nicht zu sehr von den Sachen, die man gesagt bekommt, irritieren lassen, wie zum Beispiel „Wie, ihr habt keinen Facebook-Account?“. Ich habe überhaupt kein Problem damit, dass ich keinen Facebook-Account habe. Den Twitter-Account hätte ich auch nicht gebraucht bisher. Könnte sein, dass ich damit vielleicht noch irgendetwas gewonnen hätte, was ich bisher nicht habe. Aber ich glaube, da, wo man Erfahrung hat, sollte man als Erstes testen. Aber vorher auch analysieren. Analytisch und agil vorgehen, um zu schauen, was funktioniert und was funktioniert nicht. Und sich nicht blenden zu lassen, von dem, was auf jedem Startup Event erzählt wird. Es kommt auf deine Firma an. Da also einfach sensibel sein.

Martin Jaehnert: Bei denen, wo das Interesse da ist, kann man auch mal nachfragen, in welche Richtung die sich informieren, wo die über dich gehört haben. Wenn sie dir sagen: “Das ist aber spannend” - wo haben sie es gehört? Und wo hätten sie es sonst hören können? Wir haben noch nicht die Marketing-Weisheit mit Löffeln gefressen und es ist spannend zu sehen, wie andere Teams vorgehen und sich mit ihnen auszutauschen.

Sputnika: Wollt ihr zum Schluss noch verraten, was ihr als euren größten Fail im Marketing betrachtet?

Martin Jaehnert: Wir haben einen Hashtag „Make e-waste great again“ gemacht und gedacht, wir spielen ein bisschen mit Trumps Haarfrisur. Da war das Ganze noch ein bisschen jokiger und dann wurde das Ganze zur Realität, die wir nicht erwartet haben. Das war blöd. Wir hätten nicht damit gespielt, wenn wir erwartet hätten, dass er es schafft in das Präsidentenamt zu kommen.

Justus Nagel: So ein klassischer Fail, wo etwas richtig in die Hose gegangen ist, der fällt mir jetzt nicht ein. Mir fallen viele kleine Fehler ein, die passiert sind in den verschiedenen Situationen, die man aber irgendwie noch einmal ausbügeln konnte. Wo man auf der Messe irgendetwas Wichtiges vergessen hat. Aber dann hat man das das Problem noch lösen können. Oder dass irgendwelche Sachen mit irgendwelchen blöden Fehlern darauf gedruckt wurden oder verschickt wurden. Das kommt immer einmal vor. Aber so ein richtiger Super-GAU, wo ich im Fernsehen stand und mir eine Möwe auf den Kopf gekackt hat, den gibt es nicht. (herzhaftes Lachen)

Geben lieber keine Interview im Freien: Sensape und binee (via GIPHY)

Martin Jaehnert: Bei uns auch noch nicht. Dadurch dass wir etwas Solides machen, kann uns auch niemand so richtig dafür ankacken. :-) Weder eine Möwe, weil wir selten ein Interview im Freien geben, noch weil wir etwas wirklich Verwerfliches machen. Das ist bei uns das beste Risiko-Management, uns nicht angreifbar zu machen. Wir legen es nicht darauf an, auf Teufel komm raus zu skalieren und erfolgreich zu sein. Wir machen die Sachen oft zu langsam; vielleicht ist das auch der größte Fail? Wenn Leute sagen: “Ihr habt ein Jahr später immer noch nur 20 Elektro-binees. Wieso das denn? Wieso geht das denn so langsam?” Sie sehen nicht die Arbeit, die dahintersteckt: So eine Hardware-Anwendung mit Endverbrauchern plus Gutscheinpartnern, plus Werbepartnern, plus Aufstellpartnern und Recyclingpartnern zu etablieren. Das sind viele Anstrengungen nötig. Unser größter Fail ist also vielleicht, dass immer noch die Landkarte ein bisschen zu dünn besiedelt ist mit binee-Aufstellern. Aber es ist der Weg, den wir bis jetzt gehen müssen, weil wir kein Wachstumskapital aufgenommen haben.

Wie gewinne ich meine ersten Kunden mit meinem winzigen Budget? Lesen Sie hier in Teil 2 der Start-up Marketing Serie.

 

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