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VR Journalismus: “Mich hat an Kriegsfotos immer interessiert, was links und rechts des Bildes passiert.”

Berlin 04.06.2018
Julia Leeb arbeitet an den unsichersten Orten dieser Welt. Die Münchner Fotografin und Filmemacherin berichtet aus Konfliktgebieten - und nutzt dabei auch 360° Videos. Beim Berliner Marketing Tag am 6. Juni 2018 wird sie vom Einsatz von VR-Anwendungen im Journalismus berichten. Auf Sputnika gibt sie vorab einen kleinen Einblick in ihre aktuellen Projekte.

Sputnika.de: Frau Leeb, bitte stellen Sie sich kurz vor.

Julia Leeb: Ich bin VR/Video Journalistin. Mein Schwerpunkt liegt auf Kriegs- und Krisengebieten.

Woran arbeiten Sie im Moment?

Momentan arbeite ich an der Erstellung einer visuellen Datenbank über Konfliktgebiete. Zudem durfte ich zuletzt Teil des Projekts “200 Frauen” sein, das viel mehr ist als nur ein Buch. Mir ist es wichtig diese Bewegung zu unterstützen.

Virtuelle Realität Anwendungen kennen wir aus dem Spiele- und Entertainment-Bereich, sie im Journalismus oder zur Dokumentation einzusetzen, ist hingegen noch neu. Für Ihre 2017 erschienene Reportage “Blended Isolations” haben Sie erstmals auch 360 Grad und VR-Inhalte produziert. Worum geht es dabei?

In Zusammenarbeit mit INVR habe ich den 360° Film Blended Isolations produziert. Er wurde an den isoliertesten Orten unserer Welt gedreht. In Blended Isolations können sich Menschen aus allen Ländern der Welt in unzugängliche Orte “beamen” und mit eigenen Augen erleben, was Isolation eigentlich bedeutet. Dieser Film scheint mir gerade jetzt besonders wichtig, da sich Separation zu einem globalen Trend entwickelt.

Was ist für Sie an VR im Gegensatz zum “normalen” Film so spannend? Welche neuen Möglichkeiten bietet Ihnen die Technik als Filmemacherin?

360° befreit den Zuschauer vom vorgegebenen Bildrahmen. Mich hat an Kriegsfotos immer interessiert, was links und rechts des Bildes passiert. 360° beantwortet diese Frage.

Sie haben in einem Interview einmal gesagt “Wenn wir jetzt in den richtigen Content investieren, können wir diese Technik [VR, Anm. der Redaktion] zu einem einmaligen Instrument für echte Völkerverständigung machen”. Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich seit Erscheinen Ihres Films gemacht?

Der Film wurde in verschiedenen Entwicklungsphasen bereits in den USA, Kanada, Rumänien, der Schweiz, Weissrussland und Südafrika gezeigt. Die Zuschauer hatten die Möglichkeit, eine Reise zu die entlegensten Orten unserer Welt zu machen. Ohne dabei ihren Stuhl zu verlassen.

Wo sehen Sie noch ungenutztes Potential von VR-Anwendungen?

Vor allem im Krisen-Journalismus birgt 360° noch ungenutzte Informationspotenzial, die später auch als Beweismaterial in die Geschichte eingehen werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Julia Leeb spricht als Referentin beim diesjährigen Marketing Tag des Berliner Marketing Clubs. Hier könnt ihr Tickets zur Veranstaltung am 06. Juni 2018 kaufen.

 

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