20160922_M.Bader_Interview2_01.jpg

Was mich antreibt - Michael Bader über seine Arbeit und seine Quelle der Inspiration.

Leipzig 26.09.2016
Michael Bader ist ein Werbefotograf aus Leipzig. Seit 2005 ist er in den Bereichen Porträt, Lifestyle, Werbung und Reportage unterwegs. Zu seinen Kunden zählen u. a. Rotkäppchen Wein, Beiersdorf und die Stadtwerke Leipzig. Seine Arbeit lebt von neuen Ideen und ungewöhnlichen Perspektiven - wo er sich die Inspiration dafür herholt, verrät er uns im Interview.

Wo holst du dir Inspiration?

M.B.: Wenn etwas wachsen soll, braucht es Luft zum Atmen. Am ehesten lasse ich mich deshalb auf Reisen inspirieren - also gerade nicht in Leipzig. Ich glaube, dass ich den Abstand zum Alltag brauche, um Kraft zu tanken, neue Ideen zu entwickeln und um Alltägliches neu bewerten zu können.

Wo, wenn nicht in Leipzig?

M.B.: Da gibt es tausende Möglichkeiten…Kurzurlaub an der Ostsee am Darßer Weststrand, bei einem freien Projekt in den Schweizer Alpen oder auf dem Balkan, in der Langlaufloipe im Thüringer Wald, auf einer Tour in unserem alten Wohnmobil durch Südengland, in Nepal beim Bergsteigen…die Welt ist groß…und schön 

Was fotografierst du am liebsten?

M.B.: Projekte bei denen ich viel Freiraum und Zeit habe und mit spannenden Menschen an inspirierenden Orten arbeiten kann. Nah ran an diese Wunschvorstellung komme ich meist bei freien Arbeiten. Ich fotografiere auch gern Schauspieler-Porträts, bei denen ich frei agieren und möglichst viele Facetten des Menschen zeigen kann. Da bleibt durch die freie Wahl der Location und das passende Licht viel Raum zum gemeinsamen Inszenieren.

Bei großen Kampagnen arbeite ich gern im Team. Spannend ist hier das meist lange zielgerichtete Erarbeiten eines Bildes. Es macht Spaß zu sehen, wie nach langer Vorbereitung und etwas Glück - vor allem beim Wetter - alles ineinander greift und man ein tolles Ergebnis bekommt.

In freien Arbeiten setze ich mich in erster Linie mit Themen auseinander, die mir wichtig sind. Inspiration dafür können aktuelle politische oder gesellschaftliche Veränderungen sein. Dabei ist es oft ein langer Weg von der Idee zur Umsetzung. Manche Projekte werden dann so gut angenommen, dass sie gefördert werden und über einen längeren Zeitraum wachsen können.

Aktuell arbeite ich an einer Dokumentation und Porträtserie in der Steinkohle. 2018 geht die Ära der Steinkohle in Deutschland zu Ende. Ich habe die Chance über einen Zeitraum von 2-3 Jahren die letzten Kumpels vor die Kamera zu bekommen. Dafür bin ich regelmäßig im Ruhrpott unterwegs und besuche die verschiedenen Bereiche sowohl der Förderung und Verarbeitung als auch bspw. die Grubenwehr und Verwaltung. Die Begegnungen mit den Bergleuten sind einmalig und unglaublich inspirierend. Die Bilder der Orte bleiben lange im Gedächtnis. Ich bin wahnsinnig froh, dass ich diesen Prozess mit meiner Kamera begleiten darf.

Auf zwei Touren, einmal auf der Balkanroute von Deutschland bis Athen und einmal direkt auf den Inseln Lesbos und Chios, habe ich Flüchtlinge porträtiert und interviewt. Die Berichterstattung schien mir zu diesem Zeitpunkt zu einseitig, zu politisch. Ich wollte selber dort sein und mit den Menschen sprechen. Für mich war dies der Weg, mich mit diesem speziellen politischen und gesellschaftlichen Problem auseinanderzusetzen. Erst unterwegs habe ich wirklich verstanden, was diese Menschen antreibt und das die Hoffnung auf eine bessere, sichere Zukunft keine Grenzen kennen darf.

Wo triffst du dich geschäftlich?

M.B.: Ich treffe mich mit Kunden eigentlich meist in meinem Studio im Tapetenwerk. Ich mag den industriellen Charme der roten Backsteingebäude und die gesunde Mischung von Kunst und Handwerk. Hier arbeiten unter anderem Drucker, Tischler, Goldschmiede, Bildhauer, Architekten und Fotografen und inspirieren sich gegenseitig.

Wo gehst du hin, um auszuspannen und Kraft zu tanken?

M.B.: Vor meinem Haus liegt der Clara-Park. Ich geh da gern joggen oder fahre mit dem Rad den Kanal runter bis zum Cospudener See. Wenn ich keine Lust zum Rennen habe, sitze ich auch einfach mal auf der Sachsenbrücke oder genieße den Sonnenuntergang auf meiner Dachterrasse.

Was macht Leipzig für dich besonders?

M.B.: Es gibt hier noch viel bezahlbaren Raum für Ideen. Gerade in Leipzigs Westen wird das täglich gelebt. Überall entstehen Galerien, Radläden, Kneipen, Nachbarschaftsgärten usw. aus dem Nichts. Nicht alles sieht gleich so aus, als wäre es eine kommerzielle Geschäftsidee. Viel davon ist Idealismus. Das fühlt sich irgendwie gut an. Ich bin gespannt, ob Leipzig sich in ein paar Jahren noch so treu bleiben kann.

Kommentare

Weitere Artikel von Michael Bader Fotografie

Lebensnahe Imagefotografie mit Erstsemestern
Bilder eines technischen Denkmals
Weiterbildung lebhaft bebildert
Ein Relikt der Handwerkskunst in Bildern