20141006_Kolumne_ZH2_YouAmpersandMe.png

You Ampersand me

Dresden 07.10.2014
Wo liegt der Ursprung dieses Zeichens? Das "&" hat sich aus der Ligatur von ET oder et entwickelt, dem lateinischen Wort für "und".
Kolumne "Typografie" // Ein Gastbeitrag von Thomas Hönel, Geschäftsführer der ZH2 Agentur, Zittau & Dresden

Ich erinnere mich noch lebhaft, wie ich meiner Mutter als kleiner Junge fasziniert zuschaute. Sie schrieb in ihrer wunderbaren Handschrift, mit sicherer Hand in vollkommen ausgewogenen Bewegungen, mit größter Selbstverständlichkeit und Souveränität ein mir damals geheimnisvoll anmutendes Zeichen. Erst später fragte ich sie, was dieses Zeichen bedeuten würde und bat, mir zu zeigen, wie ich es schreiben könnte. Doch erst nach etlichen weiteren Jahren wurde mir klar, welche Bedeutung sich hinter dem Zeichen „&“ verbarg. 

Wann tauchte nun das erste Mal das „&“ auf? Eines der frühesten Beispiele wurde auf einem Papyrus aus dem Jahr 45 entdeckt. Ebenfalls ist es auf einem flüchtig hingekratzten Graffito aus Pompeji aus dem Jahre 79 zu finden. 
Von da an lässt sich seine wechselvolle Geschichte bis in unsere InDesign-Tage verfolgen. So spannt sich der schrifthistorische Bogen über die Spätantike, das frühe und späte Mittelalter, bis ins Deutschland des 19. Jahrhunderts.  

Kannten weder Textur noch Fraktur ein et und wenn, dann nur als Zutat aus einer anderen Schrift, so entwickelte sich im 19. Jahrhundert rasant der Bedarf, Namen von Firmeninhabern mit einem Zeichen zu verbinden und abzubilden. Dafür setzte sich das „&“ durch. Daher auch die Bezeichnung „kaufmännisches Und“. Daraus hat sich eine eindeutige Definition für den Einsatz des et in der deutschen Rechtschreibung und Typografie gebildet: „Gemäß der deutschen Orthographie und Mikrotypografie darf es ausschließlich in Firmenbezeichnungen benutzt werden, in allen anderen Fällen ist entweder das ausgeschriebene „und“ oder dessen Abkürzung „u.“ zu verwenden.“ Es wird als sogenanntes Kaufmännisches Zeichen bezeichnet. So steht es geschrieben. 

Inzwischen purzelt mir das „&“ in allen möglichen (typografischen) Lebenslagen entgegen. Durch die freie Verwendung von Fonts, die mit Betriebssystemen ausgeliefert werden, steht einer Verwendung des „&“ nichts im Wege und die Schriftgestalter von heute fügen ihren Fonts selbstverständlich auch dieses schöne Zeichen hinzu. So machen viele Zeitgenossen davon rege Gebrauch. Es sieht ja auch irgendwie schick aus und hat eine tolle Ästhetik, also her damit und rein in den Text.

an per se

Vielleicht hängt es aber auch mit dem Lesen und Verfassen englischer Texte, Konzepte und Bücher zusammen. In einer globalisierten und zusammenwachsenden Welt durchaus denkbar. Denn im Englischen (und auch im Französischen) darf das „&“ im Fließtext durchaus für „und“oder „et“ verwendet werden.
Apropos Englisch – hier kommen wir dem Begriff „Ampersand“ auf die Spur:
"Die englische Bezeichnung Ampersand ist eine Zusammenziehung von "and per se and", was etwa heißt „und und an sich", so führt es Wikipedia aus, wo es weiter heißt: "Diese Formulierung kommt daher, dass in Schulen beim Aufsagen des Alphabets jedem Buchstaben, der auch für sich als Wort gebraucht werden kann – also A, I und zeitweilig auch O – die lateinische Phrase per se, "an sich" vorangestellt wurde. Außerdem wurde das Alphabet im 19. Jahrhundert in England mit dem Zusatz „und &“ aufgesagt. So wird der Schluss zu X, Y, Z and per se and. Diese letzte Floskel wurde mit der Zeit zu ampersand verschliffen und in dieser Form um das Jahr 1837 in den allgemeinen englischen Sprachgebrauch übernommen."

So, jetzt wissen wir wieder etwas mehr.

Noch was zur Tierwelt

Der Vollständigkeit halber möchte ich an dieser Stelle noch ein weiteres Zeichen, welches ähnlich klingt, aber anders aussieht, erwähnen. Es geht um das @. Der Ursprung des Symbols ist unklar, es gibt mehrere Hypothesen. Zwei davon werden im Mittelalter angesiedelt: entweder die Entstehung als handschriftliche Verschmelzung (Ligatur) der Buchstaben a und d des lateinischen Wortes ad (deutsch: an‚ bei, zu) oder als Abkürzungszeichen, beispielsweise in einem Brief eines römischen Kaufmanns über Schiffsladungen als Abkürzung für die Maßeinheit amphora. Das @-Zeichen ist heute eines von drei Elementen einer E-Mail-Adresse im Internet. Es trennt eine Benutzer- oder verwenderspezifische Kennung von der Host-Angabe. Heute englisch ausgesprochen als "at" und deutsch als "ät", was soviel bedeutet wie "in", "an", "bei" oder "auf". Umgangssprachlich auch "Klammeraffe" genannt.


You Ampersand me

Doch zurück zum Ampersand respektive "&", denn ich möchte noch auf ein weiteres Phänomen in Zusammenhang mit dessen Verwendung eingehen: Durch seine geheimnisvolle visuelle Wirkung hat sich das "&" in unserer technoiden Welt zu einer Metapher entwickelt. Es wird von Gestaltern, Kalligrafen, Fontdesignern weltweit re-interpretiert. Es wird von vielen Menschen geschrieben, gemalt, gestickt, gekritzelt und in zig Anwendungen auf die unterschiedlichsten Materialien gedruckt, gerahmt und gepinnt. So steht dieses Zeichen aufgrund seiner kalligrafischen Qualitäten und durch sein charaktervolles sowie unverwechselbares Design für eine persönliche Lebensphilosophie und -haltung zu den aktuellen Herausforderungen unserer Zeit. Vor allem, wenn es handschriftlich auf schönste Weise gelungen ist, so wie einst bei meiner Mutter.

weitere Ampersand-Links:
ampersandampersand.tumblr.com
dribbble.com/shots/397376-ampersand/attachments/21886
www.etsy.com/de/listing/123179865/typografie-poster-kaufmaumlnnisches
www.thesocietyinc.com.au/fabthings/my-love-of-the-ampersand/#.VCQC7Ct_vaK


TH


Mehr Kolumnen "Typografie" // Mehr zu unseren Gastautoren

Kommentare

Weitere Artikel

VOK DAMS vertraut auf die Agentursoftware easyJOB
Corporate Design und Website für AMPEROX
It´s all about Gameday! All!
Ergebnisse der Studie über die “Wirkung und Verständlichkeit von Erklärfilmen”