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3 Monate DSGVO – keine Abmahnwelle in Werbeagenturen

Dresden 23.08.2018
Vor rund 3 Monaten ist die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft getreten. Aufgrund großer Gestaltungsspielräume und fehlender Präzedenzfälle, war bei vielen Agenturen und Dienstleistern sowie deren Kunden die Angst vor teuren Abmahnungen groß. Die bleiben bislang aus – das Ungeheuer DSGVO scheint gezähmt oder bringt sogar positive Effekte mit sich. Sputnika hat bei vier Agenturen nachgefragt, wie es um die Kopfschmerzen „am Tag danach“ steht und welches Fazit sie bereits ziehen können.

André Pinkert, Managing Director, queo:

"Die Entdigitalisierung und große Abmahnwellen blieben mit Inkrafttreten der DSGVO bisher aus. Gut so! Das Ziel der Verordnung war schließlich nicht die Beschaffung von Bußgeldern, sondern Transparenz und europaweite Standards. Doch für die Umsetzung der Richtlinien gibt es Gestaltungsspielraum. Als Dienstleister können wir nur Optionen und Konsequenzen aufzeigen. Entscheiden muss der Kunde. Da spüren wir noch Verunsicherung.

Deshalb sollte jedes Unternehmen dem Thema den entsprechenden Stellenwert geben. Wir bei queo haben unser Datenschutzmanagement professionalisiert und ein Team ins Leben gerufen, das sich mit Datenschutzfragen auseinandersetzt. Wir verstehen es als Prozess, der lange vor dem 25. Mai begann und noch nicht abgeschlossen ist. Hierfür sind unsere Großkunden und wir aber schon heute gut aufgestellt."

 

Alexander Hippe, Managing Director, move elevator GmbH:

"Der große Hype und die große Aufregung sind erstmal vorbei, der Geist der DSGVO ist intern wie extern aber überall noch vorhanden. Geblieben sind vor allem offene Fragen, die nach wie vor zu großer Unsicherheit führen: Wie koordiniere ich meine Auskunfts- oder Löschpflicht? Welche Protokollierung muss ich durchführen? Wie gehe ich mit den Backups um etc.? Viele warten gespannt auf die ersten Urteile. Das betrifft sehr wenige Kunden, aber diese umso intensiver. Die Pflicht zur DSGVO ist bei allen abgeschlossen, jetzt kommt die Kür. move:elevator hat frühzeitig dafür eine interne Arbeitsgruppe gegründet, um unseren Kunden die besten Empfehlungen, aber natürlich niemals rechtverbindliche Beratung zu ermöglichen ;-)"

 

Thomas Pfefferkorn, kaufmännischer Geschäftsführer zebra | group GmbH:

"Im Galopp über die DSGVO-Hürde: Seit Anfang 2018 hat das Thema ‚Datenschutzgrundverordnung' auch uns zebras ganz schön auf Trab gehalten. Wir haben massiven Vorbereitungsaufwand betrieben und sogar eine Fulltime-Stelle für ein halbes Jahr besetzt, um Schritt halten zu können. Und es hat sich gelohnt, so war die Umstellung kein ‚harter Cut‘. Auch wenn sich viele Dinge noch ungewohnt anfühlen, haben wir die DSGVO-Themen gut verinnerlicht. Sogar ein Audit von einem unserer Kunden hat uns bereits bestätigt, dass wir das Thema Datenschutz in der zebra | group gut im Griff haben. Daher gibt es auch keinen Grund, Abmahnungen zu befürchten."

 

Dirk Spannaus, Geschäftsführer, webZunder:

"Es gab ja viel Unsicherheit kurz vorm Stichtag, ob Opt-In Mails verschickt werden sollten oder nicht? Deswegen wollen wir mal ein paar Zahlen aus einem Projekt auf den Tisch legen. Zusammen mit Narciss & Taurus haben wir einem Kunden in der Tourismusbranche ein sehr positives Erlebnis in Verbindung zur DSGVO beschert. Der Rechtsanwalt des Kunden bestand auf einer Opt-In Mail - deswegen haben wir eine kleine Kampagne aufgesetzt:

Der Kunde hatte noch eine leicht angestaubte E-Mail Liste im Umfang von knapp 50.000 Adressen, die aus Interessenten und Gästen aus verschiedenen Systemen bestand. Wir haben dann zuerst den Adressbestand bereinigt, indem wir fehlerhafte und mittlerweile nicht mehr funktionierende E-Mail-Adressen heraus gefiltert haben. Wir haben eine sehr freundlich formulierte Opt-In Mail an ca. 40.000 Empfänger - "kalte Leads" - gesendet. Obwohl zu der Zeit viele Opt-In Mails versendet wurden, hat jeder dritte Empfänger die Mail auch gelesen - 25% sagten "ja", weniger als 20% "nein". Wir wollten jedoch mehr, und haben eine Löschankündigung mit letzter Chance für Opt-In an die unentschlossenen Empfänger verschickt. Die Opt-In Rate lag dann sogar noch über der ersten Mail. Gab es Beschwerden über die Mailingkampagne? Den Spam- Button haben weniger als 10 Empfänger geklickt. So liegt die "Complaint Rate" deutlich unter 0,01% - die kleinste Einheit, die der verwendete SMTP Dienst anzeigt. Auch die Bounce Rate - also die Rate der nicht zustellbaren Mails - liegt nach der Säuberung der initialen Liste bei aktuell nur 0,12% - die Zielvorgabe des Dienstes liegt dabei auf <5%.

Ergebnis: eine saubere Empfänger Liste mit fast 6.500 Menschen. Sind ca. 15% der ursprünglich angeschriebenen Kontakte nun gut oder schlecht? Es sind Interessenten und Kunden, die ausdrücklich sagen: "Ja ich möchte auch weiterhin zu Deinem Netzwerk gehören - schick mir mehr!" Das Potential, das darin steckt kann sich jeder schnell ausrechnen.

Das installierte Newsletter System läuft absolut DSGVO konform. Mit weiteren Kampagnen liegt der Fokus auch darauf, weiterhin die Kunden zu identifizieren, die echtes Interesse haben und ihnen passende Angebote zu machen. 

Somit hat die DSGVO vielleicht sogar einen sinnvollen Frühjahrsputz im Newsletter Marketing ausgelöst? Dass die Liste hochqualifiziert ist, beweist jedenfalls die erste Mail nach der Opt-In-Kampagne: die Öffnungsrate liegt über 55% (+35% zum Benchmark) und die Clickrate liegt höher als 10%  (+8% zum Benchmark)."

(Zum Vergleich - die Benchmarks liegen für die Branche lt. Mailchimp bei 20% Öffnungsrate, 0,4% Bounce Rate und 0,012% Beschwerden - Quelle: https://mailchimp.com/resources/research/email-marketing-benchmarks/)

 


 

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Anstatt immer nur "Aua" zu schreien, wenn etwas passiert ist, müssen wir endlich umdenken und selbstbestimmt handeln. Denn Datenschutz ist kein gemütlicher Kaffee auf dem Weg zur Arbeit!

 

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