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In drei Minuten überzeugen - ein Erfahrungsbericht für Bewerber

Berlin 18.07.2017
Das Recruiting-Event „STELL-MICH-EIN“ versucht, gegen das verstaubte „Worin sehen Sie Ihre Stärken, worin liegen Ihre Schwächen?“ mit einer ungezwungeneren Art des Kennenlernens anzukämpfen.

Beim STELL-MICH-EIN haben Bewerber die Chance, an einem Abend die Personaler der Top-Agenturen ihrer Stadt kennenzulernen und mit ihnen jeweils drei Minuten zu sprechen. Ziemlich wenig Zeit, um von sich zu überzeugen, oder?

Cindy erzählt auf dem Recruiting-Event von ihrer Erfolgsgeschichte. Sie hat es im Sommer 2013 geschafft, die Agentur PANORAMA3000 bei STELL-MICH-EIN für sich zu gewinnen. Nun sitzt sie auf der Agenturseite des Tisches und darf die Bewerber einschätzen.

Wenn du an die Zeit vor den Interviews zurückdenkst: Wie hast du dich auf die doch recht knappen Gespräche vorbereitet?

Ehrlicherweise habe ich mich recht wenig vorbereitet. Ich war damals noch im Praktikum als Projektmanager bei einer anderen Agentur und habe am Tag des Stell-mich-eins ein großes Fotoshooting organisiert bzw. umgesetzt. Während die Fotos geschossen und die Models geschminkt wurden, habe ich mir die Seiten der Agenturen angeschaut, die mir später gegenübersitzen würden und mir letztendlich nur die eingeprägt, die mir ihrem Auftritt nach interessant schienen. Ich habe mir dann versucht zu merken, was ich an ihnen gut finde, mir ein bisschen zurechtgelegt, wie ich da reinpassen könnte und das war es eigentlich auch schon.

Nun bist du in der Position des Arbeitgebers. Wie bereitest du dich in diesem Fall auf die Gespräche vor und worauf kommt es dir bei den Bewerbern in den drei Minuten besonders an?
 
Bei Bewerbern ist mir zum einen wichtig, dass sie wissen, was sie können und was nicht. Sie sollen nicht wie verschreckte Rehe vor uns sitzen und Angst haben, dass sie in irgendeiner Form scheitern könnten. Ich möchte aber auch niemanden haben, der glaubt bereits alles zu wissen und die Weisheit der Welt auf sich zu vereinen. Ein
selbstbewusstes Auftreten und ehrliche Neugier auf unsere Agentur sind schon mal die halbe Miete. Zum anderen will ich wissen, was er oder sie bei uns möchte. Dafür ist es natürlich von Vorteil, wenn man sich mal mit dem Unternehmen, das einen interessiert auseinandergesetzt hat. Wenn ich merke, da kommen nur leere Worthülsen oder eine vorgefertigte Präsentation, die auch alle anderen zu Gesicht bekommen, dann verliere ich ziemlich schnell das Interesse.
Ich selbst bereite mich auf die Gespräche nur wenig vor. Ich überfliege die Copy-Tests und setze mich ansonsten einfach an den Tisch und lasse mich überraschen, was bzw. wer da kommt.

Wie wählst du die Bewerber aus? Speziell nach dem Können und der Erfahrung oder nach deinem persönlichen Gefühl während des Gesprächs?
 
Ich denke, es ist eine Mischung aus beidem. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass einen das Bauchgefühl selten trügt, aber egal wie sympathisch jemand ist, ein bisschen was auf dem Kasten haben sollte er schon. Ob er aber vorher in der Texterschmiede bei Jung von Matt war oder für seine Schülerzeitung über die Neubepflasterung des Parkplatzes geschrieben hat, spielt dabei eigentlich keine Rolle. Wir laden ohnehin jeden interessanten Bewerber einmal zum Probearbeiten ein. Wenn er sich dabei gut schlägt, wird sehr schnell unerheblich, welche großen oder kleinen Namen so auf seinem Lebenslauf stehen. Ich achte entsprechend bei meiner Auswahl eher auf Sympathie, Problemlösungskompetenz, Selbstreflexion, Mut und Neugierde.

Aufgrund deiner Erfahrung von Bewerber- und Agenturseite: Kannst du dich in die außergewöhnliche Bewerbungssituation besonders gut hineinversetzen? Was würdest du den Bewerbern empfehlen und wie sollten sie sich am besten vorbereiten?
 
Das mag sich komisch anhören, aber ich habe das Gefühl, dass man sehr schnell in eine Rolle reinrutscht, um der Agentur oder dem Unternehmen besonders zu gefallen und dann nicht mehr so recht man selber ist. Dann wird das Gespräch schnell zäh und selbst drei Minuten kommen einem wie eine Ewigkeit vor. Das geht der Agenturseite genauso wie dem Bewerber und jeder kann sich ausrechnen, wie gut dann die eigenen Chancen stehen, den Fuß in die Tür zu bekommen. Man sollte sich vielmehr bewusst sein, dass man eben nur drei Minuten hat, sich über sein Interesse am Gegenüber klar werden und sich überlegen, was die Agentur unbedingt über einen wissen sollte. Was macht dich aus? Was hast du, was sonst keiner hat? Vielleicht strickst du in deiner Freizeit gern Hundepullover oder genießt das Gefühl der Freiheit, wenn du auf deinen Rollschuhen übers Tempelhofer Feld rast oder du machst gern abgefahrene Lip-Syncs auf musical.ly oder stehst darauf, komplizierte Excel-Formeln zu entwickeln. Was es auch ist, DAS merk ich mir eher als wenn du mir von deinen Studienabschlüssen oder anderen eher seelenlosen Punkten deines Lebenslaufes erzählst, die so ziemlich jeder andere im Raum auch vorweisen kann. Nach drei Minuten wirst du eh nicht eingestellt, aber wenn du irgendwas Besonderes an dir hast, dann laden wir dich bestimmt mal zum Kennenlernen ein, denn wir wollen Typen. Leute, die was mitbringen und das Team durch ihre Einzigartigkeit bereichern – in welchem Feld auch immer.
 
Speed-Dating vorbei. Und nun? Wie ging es bei dir weiter und wie geht es mit den Bewerbern weiter, die du in die engere Auswahl genommen hast?

Meistens mache ich es so, dass ich die Bewerber, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind auf Xing adde und dort noch einmal ein bisschen mit ihnen hin- und herschreibe. Wenn jemand tatsächlich gerade nach etwas sucht und wir ebenfalls Bedarf an seinen Fähigkeiten haben oder wenn jemand so überzeugt hat, dass es gar nicht anders geht, als dass wir ihn ins Team holen, dann wird er oder sie zum Kennenlernen eingeladen und wenn das gut lief, zum Probearbeiten. Bei mir war letzteres der Fall. Eigentlich bestand kein Bedarf, aber dann war ich scheinbar begeisternd genug, dass sie mich bei PANORAMA3000 doch näher kennenlernen wollten. The rest is history.

Interesse geweckt? Dann informiert euch auf http://stellmichein.de Das Event wird voraussichtlich auch 2018 wieder stattfinden.

 

Bildquelle: stellmichein

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