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Marketingentscheider im Gespräch - Frank Kebbekus von der BARMER: “Es gilt sich nicht nur darauf zu konzentrieren, was technologisch möglich ist, sondern auf das, was Menschen wirklich wollen!”

Dresden 24.08.2017
Jeder Marketingchef, ob in KMU oder Konzern, steht jeden Tag vor neuen kleinen und großen Herausforderungen. Das ist bei Frank Kebbekus, Hauptgeschäftsführer der BARMER in Dresden und Präsident des ansässigen Marketing-Clubs auch nicht anders.

Herr Kebbekus, gibt es einen Marketing-Trend, den Sie als Hauptgeschäftsführer der Barmer Dresden keinesfalls außer Acht lassen dürfen?

Die digitale Transformation erreicht mittlerweile alle Bereiche der Unternehmen. Diesem Thema muss ich entsprechende Aufmerksamkeit schenken. Es gilt die eine gesunde Mischung zu finden zwischen dem persönlichen Nutzen für die Menschen und dem Interesse meines Unternehmens große, komplexe Prozesse wirtschaftlicher, ergonomischer oder anwenderfreundlicher zu gestalten. Und damit auch eine entsprechende Wahrnehmung im Markt zu erreichen. 

Bei der Barmer geben wir in Deutschland pro Tag über 100 Millionen € für unsere Versicherten aus. Das sind mehr als 3000 € pro Versicherten pro Jahr. Da gibt es enorme Prozesse. Wenn wir beispielsweise die Art der Leistungsinanspruchnahme digitalisieren, hat das eine große Wirkung auf die Beziehung zu unseren Versicherten. Dazu ein Beispiel: Wer aktuell im Auslandsurlaub ist und dabei eine kleine Verletzung erfährt, kann die Rechnung dazu per Service-App digital bei uns einreichen. Das Geld ist dann noch vor Urlaubsende rückerstattet auf dem Konto des Versicherten. Das ist ein deutlich schnellerer Prozess als je zuvor. Angenommen wird er vor allem wegen der intuitiven Menüführung in unserer Service App, die wir aktuell stark vermarkten und die wirklich gut ankommt. Alles geht Richtung online. 

Wie digital wird denn die BARMER in Zukunft?

Ich verstehe Marketing als konsequente Ausrichtung eines Unternehmens auf die Bedürfnisse der Kunden. Es gilt sich nicht nur darauf zu konzentrieren was technologisch möglich ist, sondern auf das, was Menschen wirklich wollen. Wir nutzen dazu bspw. Kundenfeedbacks unserer Versicherten für die Weiterentwicklung unserer Produkte und Innovationen. Und das ist der Kern des Marketings. Ich wiederhole mich gern, wir machen nicht irgendwas, was technologisch geht, wir machen das, was Menschen wollen. 

Was wollen denn die Menschen? 

Vor allem den lästigen Schreibkram loswerden und die Bürokratie reduzieren. Ein gutes Beispiel, wo uns das schon recht gut gelingt, ist das jährliche Überprüfungsverfahren zur Familienversicherung. Wir sind als BARMER von der Aufsicht gefordert und müssen einen  standardisierten Prozess durchführen. Dass der jetzt auch online gestützt durchgeführt werden kann, ist ein enormer Fortschritt, den viele Menschen dankbar annehmen. 

Abgesehen von solch komplexen Maßnahmen, was sind denn zwei wichtige Marketing-Massnahmen der Barmer hier in Dresden in diesem Jahr?

Ein Alleinstellungsmerkmal bietet seit Jahren der Manager-Zehnkampf. Dahinter steht die Kombination eines sportlichen Wettbewerbs mit der Ansprache von Führungskräften und Persönlichkeiten Gesundheit am Arbeitsplatz zu implementieren. Diese Plattform nutzen wir zur Ansprache, um neue Produkte und Dienstleistungen in den Markt zu tragen. Das findet jährlich statt und hat mittlerweile einen hohen Stellenwert. 

Zweitens - wir stehen kurz davor eine Online-Sprechstunde zu launchen. Über eine App wird es möglich sein, 24h rund um die Uhr einem Facharzt in einem persönlichen Gespräch zu konsultieren, um sich beraten zu lassen. Während des Chats kann man direkt mögliche Unterlagen digital dem Facharzt zukommen lassen. Alles ohne Wartezeit, ohne Extrakosten. Aber es geht dabei nicht nur um diese beiden wichtigen Aspekte, sondern auch um Empathie und Fingerspitzengefühl durch den beratenden Arzt. Das Persönliche ist den Menschen wichtig. Wir werden damit nicht den klassischen Arztbesuch ersetzen. Das ist gar nicht möglich. Aber für viele Situationen mit vielen kleinen Fragen wird diese Art der Konsultation ganz sicher stärker genutzt werden. Das ist Marketing, weil es eine gut gemachte Kernleistung der BARMER ist. 

Haben Sie für die eigene Inspiration eigentlich berufliche und persönliche Vorbilder, Herr Kebbekus? Wem möchten Sie gern einmal über die Schulter schauen?

Ich durfte zuletzt den Bundesgesundheitsminister erleben. Das war beeindruckend aus beruflicher Sicht. Von der persönlichen Sichtweise würde ich mich gern einmal mit Stefan Raab austauschen, weil er es schafft, mit ständig neuen innovativen Formaten sehr viele Menschen zu begeistern. Beeindruckend finde ich aber auch Nico Rosberg, der sein Ziel die Weltmeisterschaft erreicht hat und sich dann auf diesem Höhepunkt anderen Dingen widmet. Solche Persönlichkeiten sind für die Gesellschaft eine Bereicherung, weil sie zu neuen Taten antreiben. Beide würden sich als Referenten für unseren Club hervorragend machen. 

Weil Sie gerade vom Club sprechen: Sie sind seit 5 Jahren Club-Präsident. Wie lang wollen Sie das noch machen? 

Das liegt an den Mitgliedern und am Vorstand. Ich werde ja gewählt und das bisher immer einstimmig. Das macht mich ein wenig stolz. Ich darf mit vielen engagierten Menschen ehrenamtlich zusammen arbeiten und das bereitet mir noch immer sehr viel Freude. Wir haben tolle Typen im Vorstand, die einiges bewegen können und wir haben auch eine sehr engagierte Jugend. Das alles stimmt mich weiterhin sehr optimistisch. Wir haben schon viel erreicht, aber es gibt auch noch einiges zu tun. Ich wünsche mir, dass der Club in der Dresdner Öffentlichkeit als feste Institution wahrgenommen wird. Was die Entwicklung der jährlichen Preisverleihung betrifft, ist das Niveau sicherlich schon recht gut, aber da ist immer noch etwas Luft nach oben. Meine Vision ist, dass wir mit dem Club und dem Marketingpreis eine Alleinstellung erreichen, die unter den deutschen Clubs wahrgenommen wird und das Renommee des Preises in der Medienlandschaft so hoch ist, dass der Preis über Dresden hinaus für Unternehmen anziehend wirkt. 


Frank Kebbekus (Bildmitte) im Gespräch mit Marketer während des Soma17, Quelle: Tobias Ritz

Und wie werden Sie das erreichen?

Das schaffen wir über aktive Mitglieder. Davon ist jeder Club abhängig. Ich bin da recht zuversichtlich, denn bei über 230 Mitgliedern haben wir ganz unterschiedliche Persönlichkeiten an Bord. Da kann jeder etwas mehr für den Club leisten. Wenn wir das aktivieren, kommen wir sicherlich ein ganzes Stück weiter. Darüber hinaus, ist es weiterhin wichtig, dass wir an unseren Beziehungen zur Fach- und Tagespresse arbeiten. Deshalb freue ich mich auch sehr über die Kooperation mit Sputnika

 

Vielen Dank für das Interview Herr Kebbekus!

 


Bildquelle (Titel): Frank Kebbekus

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