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Das sagen Dresdner Designer zu den "Deutsch lernen!"-Piktogrammen

Dresden 11.11.2015
Der Sächsische Ausländerbeauftragte gibt ein Plakat mit Piktogrammen für Asylbewerber heraus, das wichtige Begriffe erklären soll. Alexander Hilsky und Nico Müller beurteilen es aus Designer-Sicht.

Die kostenlosen Plakate mit dem Titel „Deutsch lernen!“ sollen mit einem Basiswortschatz bei der Orientierung und beim Erlernen von Wörtern in Bereichen wie Amt, Zahlen, Körper, Kleidung, Möbel oder Einkaufen helfen und einen niederschwelligen Einstieg ins Deutsch lernen bieten. Die 316 Piktogramme sind systematisch aufgebaut und erweiterbar. In Kürze soll ein A5-Heft mit gleichem Inhalt folgen.




Alexander Hilsky, Cromatics: 

Hilsky findet den Ansatz des Plakats gut und hilfreich, denn Menschen orientieren sich stark über die visuelle Herangehensweise. Das Problem liegt seiner Meinung aber in den Details:

Die Piktogramme sind nicht selbsterklärend und in verschiedenen Bereichen zu kompliziert. Problematisch ist auch, dass die Nutzer einige Piktogramme ohne Deutschkenntnisse nicht wirklich verstehen können, zum Beispiel das für „Guten Tag“ oder „Kopie“. 
Außerdem gehen die Piktogramme sehr stark von unserem Kulturkreis aus. Ein Kopfkissen sieht bei Asylbewerbern aus dem arabischen Kulturkreis vielleicht ganz anders aus, einen Regenschirm kennen sie aus ihrem bisherigen Alltag möglicherweise gar nicht.



Meine Verbesserungsvorschläge wären, sich auf weniger Bereiche zu konzentrieren. Statt Piktogrammen aus Freepic wären selbst Entworfene hilfreich, denn dann könnte man eine einheitliche Gestaltungssprache nutzen. Und ganz wichtig wäre, sich für einen Didaktik-Ansatz zu entschieden. Aktuell werden verschiedene vermischt: In den Bereichen „Uhrzeit/Kalender“ und „Familie“ wird mit der Farbe rot zum Beispiel etwas hervorgehoben. Direkt daneben, im Bereich „Essen/Trinken“, fungiert rot einfach als Farbe. Das führt leider etwas in die Irre.



Nico Müller, Hookie Co.
"Die Piktogramme auf dem Plakat sind nicht selbsterklärend und bieten dem Betrachter deshalb auch keine wirkliche Hilfestellung. Wenn ich das Plakat anschaue, springen mir als erstes die dicken Rahmen und Wörter entgegen, die ich ohne Deutschkenntnisse aber gar nicht verstehe. Die Piktogramme gehen dabei leider unter, weil sie zu klein, zu zart und oftmals auch zu kleinteilig sind. Sie sollten außerdem nicht bunt sein. Maximal zweifarbig, wenn man mit der zweiten Farbe etwas hervorheben möchte.

Mir ist das Plakat leider auch zu unstrukturiert, die Piktogramme wirken zusammengequetscht, vielleicht auch, weil es sehr viele sind. Ich denke, dass eine Art Tabelle die verschiedenen Bereiche besser gliedern und mehr Übersichtlichkeit schaffen würde. Dann könnte man auch auf die dicken Rahmen verzichten. Außerdem ließe sich so Priorität in die Auflistung bringen. Ich finde zum Beispiel die Themen „Essen/Trinken“, „Notfall“ und „Verkehr“ wichtiger für eine erste Orientierung als andere Bereiche."



Herausgeber der Plakate ist der Sächsische Ausländerbeauftragte Geert Mackenroth, die Realisierung verantwortet die Agentur Ö Grafik aus Dresden.

Deren Geschäftsführer Thomas Walther sagt zu den Kritikpunkten: 

"Dass das Plakat sehr viele Piktogramme beinhaltet, war ein Wunsch des Auftraggebers, um möglichst viele Bereiche abdecken zu können. Dazu ist wichtig zu wissen, dass die Asylbewerber dieses Plakat nicht einfach so überreicht bekommen und damit dann „alleingelassen" werden. Es ist vielmehr ein Hilfsmittel, mit dem sie gemeinsam mit Begleitpersonen einen besseren Einstieg ins Deutsch lernen bekommen. Auch in Sachen Design und Farbklima haben wir uns mit Fachleuten, die Erfahrung in der Wissensvermittlung haben, abgesprochen. Die verschiedenen Piktogrammfamilien wurden verwendet, um die unterschiedlichen Themenbereiche klar zu unterscheiden."

 

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