20150306_SpuCor_obdd_Lara_titel.png

Die Wahlkampagnen der Oberbürgermeister-Kandidaten: Lara Liqueur

Dresden 03.06.2015
In naturnaher Arbeitskleidung, mit unflätigen Plakaten und einem Beschäftigungsplan für leistungswillige Flüchtlinge kandidiert Lara Liqueur (Die PARTEI).

Wahlversprechen

Lara Liqueur hat sich vorsorglich schon einmal gekrönt. Den selbstverliehenen Kopfschmuck hat sich die OB-Kandidatin der PARTEI durchaus verdient, denn sie hält ihr Wahlversprechen schon vor dem Wahltermin: Mit Liqueurs Plakaten sind Wahlkampf und Stadt tatsächlich bunter geworden. Das ist eigentlich erschreckend, denn die PARTEI steht für „zuverlässige Inhaltslosigkeit“, wie die Dragqueen auf ihrer Website bestätigt. Bietet der Claim "Dresden wird bunt" da nicht schon zu viel Inhalt? PARTEI-Sprecher Dr. Michael Höfler widerspricht und verweist darauf, dass man die Plakate unterschiedlich interpretieren könne. „Damit haben wir uns vorab gegen den Inhaltsvorwurf abgesichert.“


Portrait

Krönchen und viel Make-up zeichnen das Kandidatenportrait aus. Zum Ausgleich hat Lara Liqueur dann wohl an der Kleidung gespart. Darf der Wähler erwarten, dass sie als OB so zur Arbeit erscheinen würde oder handelt es sich nur um einen Wahlkampf-Trick? Nein, beruhigt mich Michael Höfler:

Selbstverständlich wird Frau Liqueur an den ausgesuchten Tagen, an denen man sie im Rathaus antreffen wird, freizügig gekleidet sein. Sie wird überdies viele attraktive, leistungswillige Refugees anstellen, die ebenfalls naturnahe Arbeitskleidung tragen werden.

Der Name der Kandidatin ist – der Schriftgröße auf den Plakaten zufolge – deutlich weniger wichtig als die Partei selbst. Den Claim „Dresdens letzte Chance: Lara Liqueur wählen“ kann der Betrachter nur lesen, wenn er dem Schlafzimmerblick folgt und ganz nah an’s Plakat rantritt. Egal, bei der angestrebten Inhaltslosigkeit ist die Botschaft ohnehin zu vernachlässigen.


Themenplakat

Das zweite Motiv mit der fröhlichen Ankündigung „Dresden wird bunt“ und einem Exkrementhaufen ist dann wohl Lara Liqueurs ... Themenplakat?

Von den Pressesprechern der meisten andern Kandidaten durfte ich mir in den letzten Wochen viel Mist anhören, etwa dass ein völlig inhaltsleerer Claim die Positionierung des Kandidaten zuspitze (Markus Ulbig), dass falsch geschriebene Verben Kompetenzen betonen (Dirk Hilbert) oder dass die "normalen, nicht-gepamperten" Dresdner verdrängt würden (Stefan Vogel). Von Pegida-Kandidatin Tatjana Festerling hatte ich einen Flyer im Briefkasten, auf dem sie bedauert, dass die "hochanständigen, klugen, warmherzigen" Hooligans pauschal als Rechte abgestempelt werden.

Lara Liqueur packt den Mist stattdessen aufs Plakat:



Als Betrachter frage ich mich: Ist Dresden ohne Lara Liqueur scheiße? Michael Höfler sagt dazu:

Für das Plakat haben wir beim Aufhängen erschreckend viel Beifall bekommen. Das finden wir scheiße, weil es dafür spricht, dass das unflätige Plakat mit dem frisch ausgeschiedenen Exkrement (wir dachten eigentlich, es sei human) etwas über Dresden ausdrückt. Mit Lara Liqueur wird die Scheiße auf jeden Fall bestehen bleiben, aber bunter sein und sich besser anfühlen.  


Wofür könnten die Plakatmotive noch werben?

Nichts, absolut nichts. Im Gegensatz zu den Motiven aller anderen Kandidaten sind Lara Liqueurs Bilder spezifisch und nicht austauschbar. Ob man’s nun mag oder nicht: Hier scheint jemand seine Zielgruppe zu kennen.


Wie viele Plakate wurden aufgehängt?

„250 mal Kacke und circa 130 mal Lara“, sagt Michael Höfler. „Genau weiß das aber keiner, weil viele Plakate bereits bei unserer diebischen Anhängerschaft in der WG hängen.“


Online aktiv

Lara Liqueur ist im Internet präsenter als im Dresdner Stadtbild: Auf ihrer Microsite können Interessierte das Wahlprogramm herunterladen oder für ihren Alkohol- und Zigarettenbedarf spenden. 251 Follower auf Twitter, 393 Abonnenten auf Instagram und 1760 Fans auf Facebook unterhält sie regelmäßig mit humorvollen Posts. Liqueurs Blog „Mein Wahlkampf“ gibt Einblicke hinter die Kulissen – besonders spannend scheint der Wahlkampf momentan für die Kandidatin aber nicht zu sein; den letzten Beitrag veröffentlichte sie im März.


Wer war’s?

Sprecher Höfler: „Mit Agenturen sind wir mit unserem Gesamtbudget von etwa 1500 Euro nicht ins Geschäft gekommen. Daher haben wir uns eines alten Tricks unseres PARTEI-Organs Titanic bedient und uns selbst etwas ausgedacht.“


Sputnika-Autorin Annegret Hintze begutachtet die Wahlkampf-Kampagnen der Dresdner Oberbürgermeister-Kandidaten. Zum einen als Wählerin, die es zu begeistern gilt. Zum anderen vor dem Hintergrund ihres Political Campaigning-Studiums mit berufsbedingter Neugier.

Kommentare

Weitere Artikel

VOK DAMS vertraut auf die Agentursoftware easyJOB
Corporate Design und Website für AMPEROX
It´s all about Gameday! All!
Ergebnisse der Studie über die “Wirkung und Verständlichkeit von Erklärfilmen”