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Hausbesuch im Impact Loft, dem neuen Coworkingspace der Was hab' ich?-Gründer

Dresden 09.04.2015
Anja Bittner, Johannes Bittner und Ansgar Jonietz übersetzen mit ihrem Start-Up „Was hab ich?“ seit 2011 ärztliche Befunde in „Patientendeutsch“, nun gründen sie einen Coworkingspace in Dresden.

Stufenlos verstellbare Schreibtische, ergonomisch exzellente Fitnesshocker (mit Luftkissensegment! Wer wirklich wissen will, was das bedeutet, sollte selbst mal Probesitzen...), Akustik-Trennwände – die Einrichtung des 270 Quadratmeter großen Impact Lofts zwischen Zwinger und Schauspielhaus macht schnell klar, dass hier Menschen übers Interieur nachgedacht haben, die ihre Gesundheit – und die künftiger Coworker – ganz gern haben.



Für vier bis sechs Leute bietet das Impact Loft neben dem sechsköpfigen Was hab ich?-Team Platz. Geschäftsführer Johannes Bittner, gefragt nach dem „Traum-Coworker“, erklärt, dass sich bestenfalls Synergien ergeben sollen, weil das ein entscheidender Vorteil des Coworkings sei, und die künftigen Kollegen – Junggründer und Kreative zum Beispiel – ebenfalls etwas Sinnstiftendes tun. 



Im ehemaligen Büro im Businesspark in Strießen arbeitete das „Was hab ich?“-Team irgendwann auf engstem Raum und beschloss deshalb den Umzug. Das Loft in der Theaterstraße 4 fanden die Gründer ganz klassisch über eine Anzeige – nur war es damals noch keines. Sondern die ehemalige Kantine der Dresdner Bank, die nach dem Hochwasser 2002 das komplette Gebäude räumte. 



Schalt-Relikt aus Kantinen-Zeiten


Die Räume wurden drei Monate lang vom Vermieter umgebaut, Bittner und seine Kollegen konnten dabei ihre Ideen und Wünsche einbringen:

Wir sind davon überzeugt, dass sich eine schöne Bürofläche sehr schnell rechnet, weil die eigene Motivation beflügelt wird und die Effektivität zunimmt. Wir wissen, dass wir in Zukunft wachsen, aber wir wissen nicht genau, wie schnell und wann wir welchen Platz brauchen werden. Deshalb suchten wir einen großen Büroraum, und Coworking bietet die optimale Möglichkeit, freie Kapazitäten sinnvoll zu nutzen.



vorher



nachher 


Wenn andere Leute in unser Büro kommen und sagen 'Wow, hier möchte ich auch gerne arbeiten', dann haben wir es denke ich getroffen. Ein gutes Büro lebt letztendlich aber nicht von 5,20 Meter hohen Decken und dem tollen Kicker, sondern von den Menschen, die dort arbeiten. Aber ein paar „harte Fakten“ waren uns dennoch wichtig: Wir haben uns zum Beispiel ganz bewusst für Glas-Trennwände statt Trockenbau entschieden, weil Licht ein entscheidender Faktor ist. Jeder kann seinen Arbeitsraum so gestalten, wie er ihn gerade braucht – sei es am verstellbaren Schreibtisch im Stehen oder Sitzen, oder im Ruheraum oder auf dem Sofa.




Social Impact ist in der Sozialunternehmer-Branche ein gängiger Begriff für wirkungsorientiertes Arbeiten – was die Grundhaltung von „Was hab' ich?“ widerspiegelt und deshalb auch in den Namen des Coworkingspaces einfloss. „Mit Loft meint man ja eigentlich eher privaten Wohnraum, wir wollen damit ausdrücken, dass dieses Büro nicht nur Arbeits- sondern auch Lebensraum ist“, so Bittner.



Die Vermieter des Impact-Lofts: Das Gründer-Trio von "Was hab' ich?"

Die beiden Ärzte Anja und Johannes Bittner und Informatiker Ansgar Jonietz beschlossen Anfang 2011, auszuprobieren, ob es einen Bedarf für Befund-Erklärung gibt. Und es gab einen. Einen verdammt großen sogar. So groß, dass „Was hab ich?“ inzwischen ein virtuelles Wartezimmer besitzt, eine Art Warteschleife für die Nutzer. Und ein Heer ehrenamtlicher Medizinstudenten, die pro Woche 150 Befunde aus dem gesamten, deutschsprachigen Raum bearbeiten.



Womöglich ist das StartUp mit den knapp 1200 Medizin-Studenten, die inzwischen geholfen haben, das weit und breit einzige Unternehmen, dessen Fluktuation genauso hoch wie lobenswert ist – denn, so Bittner:  

Unser Bestreben ist nicht, jeden Studenten so lange wie möglich zu halten, sondern einen möglichst hohen Durchfluss zu haben, damit viele angehende Mediziner lernen, auf Augenhöhe mit ihren Patienten zu kommunizieren.

Im normalen Medizinstudium wurde dieses Kommunikationstraining lange vernachlässigt. Inzwischen bieten die Universitäten zwar diesbezügliche Module an, fokussieren sich dabei aber oftmals auf „fortgeschrittene“ Themen: Wie überbringe ich schlimme Diagnosen? Wie eine Todesnachricht? Davor kommt allerdings die Basis – und die vermittelt „Was hab' ich?“ den Medizinstudenten, seit 2014 auch mit eigenen Kursen an den Universitäten, denn:  

Wenn ein Arzt von 'Brustfell' spricht, dann ist das zwar ein deutsches Wort und kein lateinischer Begriff, aber der Patient weiß trotzdem nichts damit anzufangen.



„Was hab' ich?“ ist eine gemeinnützige GmbH und finanziert sich auf unterschiedlichen Wegen: Mit dem eigentlichen Kernangebot, der kostenlosen Befund-Übersetzung, verdient das Startup kein Geld. Am Anfang halfen deshalb hauptsächlich Preis- und Fördergelder von Wettbewerben und Auszeichnungen, inzwischen gibt es Querfinanzierungen: Das Team realisiert zum Beispiel Kunden-Projekte mit der Bertelsmann-Stiftung und kooperiert mit dem AOK-Bundesverband. Bittner sagt dazu: „Wir legen dabei sehr viel Wert darauf, dass die Arbeit sich mit unseren unternehmerischen Werten deckt, nämlich: Arzt und Patient auf Augenhöhe zu bringen."


Das Impact Loft bietet sowohl flexible als auch fixe Arbeitsplätze an, die zwischen 175 und 500 Euro im Monat kosten. Inbegriffen sind 100 Mbit/s-Internet, eine Küche, ein Meeting- und ein Besprechungsraum, Drucker und bei Bedarf Lagerfläche im Lagerraum. Alle Infos auf der Website.

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