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"In anderen Städten könnten wir mehr Umsatz machen!"

Dresden 04.12.2013
Der Blick aus dem Fenster ist für Fabian Schmidt und Alexander Schulz einer der Gründe, warum der Hauptsitz ihres Unternehmens immer noch in Dresden liegt. Die beiden Geschäftsführer von Die Filmagentur überblicken von ihrem Büro am Schillerplatz das blaue Wunder und die Elbhänge und nehmen für diese Aussicht auch das Pendeln zu ihren mittlerweile drei weiteren Standorten in Leipzig, Stuttgart und Berlin in Kauf.

Mit ihrer eigenen Firma hatten sich Fabian Schmidt (Bild r.) und Alexander Schulz bereits während ihres Studiums selbständig gemacht und 2008 – damals noch zu dritt – die GmbH MedienWG gegründet. Ab 2011 dann zu zweit und seit anderthalb Jahren unter dem neuen Namen Die Filmagentur, entwickeln sie heute vor allem Produkt- und Imagefilme für Unternehmen, Organisationen und öffentliche Einrichtungen. Dieses Jahr waren sie mit einem Kinospot für die WGS Dresden auch unter den Nominierten des Dresdner Marketingpreises.

 

Im SPUTNIKA-Interview erzählen Schmidt und Schulz, was eigentlichen einen guten Imagefilm ausmacht; wieso sie ihren Hauptsitz noch nicht in die Medienstadt Berlin verlegt haben und warum die Umbenennung in Die Filmagentur nichts mit Suchmaschinenoptimierung zu tun hatte.


SPUTNIKA: Als Studenten habt ihr vor ein paar Jahren mit fiktionalen Filmen angefangen. Heute seid ihr eine Agentur, die sich auf Image- und Produktfilme spezialisiert hat. Wie seid ihr dazu gekommen?

Alexander Schulz: Mit fiktionalen Kurz- oder Langfilme verdient man in Deutschland im Zweifel nur wenig Geld. Man muss viel Glück und bei den Filmförderungen einen Namen haben oder sich über Set-Praktikas hocharbeiten. Wir haben die Kreativ-Schiene noch im Blick, aber wir wollen natürlich auch von etwas leben. Deshalb haben wir angefangen selbst etwas auf die Beine zu stellen und weiter zu lernen – und das geht nirgendwo besser als in der filmnahen Werbebranche. Jetzt drehen wir Filme mit derselben Technik und teilweise denselben Leuten wie beim „normalen“ Film. Man lernt also letztendlich dasselbe und hofft, irgendwann mehr das Kreative mit abdecken zu können. Aber man trifft natürlich selten die bewusste Entscheidung. Die Firma haben wir ganz pragmatisch auch deshalb gegründet, um ordentliche Rechnungen ausstellen zu können.

 

Ist der Imagefilm dann nur ein Vehikel, um in den kreativen Bereich zu kommen?

 

A.S.: Nein, dafür macht der Imagefilm uns zu viel Spaß. Er hat den Vorteil, dass wir für viele verschiedene Unternehmen arbeiten und in alle möglichen Richtungen reinschauen können, ob das Behörden, kleine und mittelständische Unternehmen oder NGOs sind. Es macht einfach Spaß, mit den verschiedenen Leuten umzugehen und man ist, obwohl man für einen Kunden arbeitet, doch noch sehr sein eigener Chef.

 

An so einem Film hängt für die Unternehmen viel Geld: Lassen Auftraggeber da wirklich so viele Freiheiten?

 

Fabian Schmidt: Man holt sich als Auftraggeber schließlich Hilfe von eine Agentur, weil man das selber nicht hinbekommt. In aller Regel sind unsere Kunden für Input einer Kreativität dankbar, weil im Unternehmen nicht die Ressourcen zur Verfügung stehen. Es kommt immer seltener vor, dass Kunden sehr konkrete Vorstellungen haben, nach denen man strikt arbeiten muss.

 

A.S.: Mit unserer Erfahrung werden natürlich auch unsere Ideen besser und es gelingt uns immer mehr, die Kunden von diesen Ideen zu überzeugen. Wir mussten auch erst erklären lernen, warum eine Idee gut ist.

 

Wie macht sich diese Erfahrung bezahlt?

 

F.S.: Sehr gut. Wir haben dieses Jahr das Erfolgreichste unseres Bestehens. Das hängt auch damit zusammen, dass die Nachfrage nach Bewegtbildkommunikation steigt – die Unternehmen haben ihre YouTube-Kanäle aufgebaut, pflegen Internetseiten und machen sich Gedanken, wie sie Online mit ihrer Zielgruppe zusammenkommen. Dabei spielen Filme eine immer größere Rolle, weil es mit ihnen möglich ist, in einem abgeschlossenen Sinnzusammenhang emotional zu überzeugen.

 

Die Nachfrage nach Bewegtbild scheint rasant zu steigen: Ihr habt dieses Jahr gleich drei neue Büros in Stuttgart, Leipzig und Berlin gegründet.

 

F.S.: Und unsere Entscheidung, zu Beginn dieses Jahres Büros in weiteren Städten zu gründen, hat sich für uns als sehr erfolgreich erwiesen. In Berlin haben wir etwa wenige Tage nach unserer Gründung eine Anfrage vom Bundesrat bekommen, für diesen tagesaktuelle Filme zu drehen. Wir haben seit dem dort deutlich mehr Neukunden gewonnen als hier in Dresden.

 

Wie schafft ihr es, so viele Büros auf einmal zu bedienen?

 

F.S.: In den Standorten sitzen keine festen Mitarbeiter, aber es kann bei Bedarf von dort aus sofort gearbeitet werden. Wir sind an jedem Standort – in etwa – immer ein bis zwei Tage in der Woche und die restliche Zeit sind wir hier.

 

A.S.: Wir nutzen ein On-Demand-Büromodell, bei dem man Miete nur für die Zeit zahlen muss, in der man die Räume nutzt. Wir haben aber auch festgestellt, dass das den Kunden letztendlich egal ist. Wir halten die ganze Zeit Kontakt über Skype und Datentransfers und da spielt es für den Kunden keine so große Rolle, wo man als Firma sitzt.

 

F.S.: Darüber hinaus finden die Meetings meistens beim Kunden selbst statt, weil die Drehortbesichtigung mit daran hängt. Da wir oftmals vor Ort drehen, wollen wir die Mitarbeiter und die Interviewpartner kennenlernen, ein Gefühl für das Unternehmen und dessen Image bekommen.

 

Das hört sich nach jeder Menge Pendelei an...

 

A.S.: Ja, wir pendeln ständig. Zur Zeit vor allem nach Berlin.

 

Warum seid ihr dann noch in Dresden und nicht schon längst in Berlin? Auch vor dem Hintergrund, dass dort die Geschäfte gut laufen?

 

F.S.: Tja, da genügt ein Blick aus unserem Bürofenster. Es ist eine persönliche und bewusste Entscheidung hier in Dresden zu wohnen. Ich bin mir sicher, dass wir in anderen Städten mehr Umsatz erwirtschaften könnten, inklusive Berlin. Aber Dresden ist eine wunderschöne Stadt, lebenswert, kostengünstig und unsere Heimatstadt. Da nehmen wir das Pendeln in Kauf. Außerdem drehen wir dieses Jahr zwar viel in Berlin und Leipzig, es gab aber auch Jahre, da waren wir viel in Hamburg und Stuttgart unterwegs. Den Aufträgen hinterherzuziehen halten wir nicht für sinnvoll.

 

Ihr tragt seit vergangenem Jahr einen neuen Namen: Aus der ehemaligen MedienWG ist Die Filmagentur geworden. Steckt hinter dem neuen Namen die Überlegung, dass Unternehmen, die eine Filmagentur suchen, über Google so zwangsweise auf euch stoßen?

 

F.S.: Der Name MedienWG wurde noch in unserer Studentenzeit geprägt und war einfach zu studentisch, klein und klang zu sehr nach junger, unprofessioneller Kreativität. Wir sind jedoch sicherlich nicht diejenigen, die den ganzen Tag auf der Straße verbringen und einen viralen Clip nach dem anderen produzieren.Wir arbeiten für große Institutionen und wir vermitteln komplexe Themen. Dazu passte der alte Name nicht mehr. Unsere Kunden beauftragen uns, weil sie jemanden brauchen, der sich um den kompletten Workflow einer Filmproduktion kümmert. Wir setzen da bereits bei der Überlegung an, welche Botschaften, Argumente und Images es zu vermitteln gilt und entwickeln daraus die Inszenierung. Das macht uns zur Agentur und das drückt nun mal kein anderer Name besser aus, als unser derzeitiger: Die Filmagentur. Klar ist dieser Name auch unter dem Stichwort SEO ganz gut, aber das war nicht ausschlaggebend.

 

Geht mit dem neuen Namen nicht aber auch ein Stück der Charme junger Kreativität verloren?

 

A.S.: Nein, denn der geht uns schließlich deswegen nicht verloren. Aber wenn wir von dem ersten großen Kunden hören, dass er uns nicht beauftragt hat, weil wir MedienWG heißen, überlegt man sich schon, ob man den Namen behält. Er klingt für große Unternehmen einfach zu unprofessionell, wohingegen Die Filmagentur vielleicht nicht der kreativste Name ist, aber nach Seriosität und Zuverlässigkeit klingt.

 

Abgesehen von der Professionalität der Agentur - was macht einen guten Imagefilm überhaupt aus?

 

F.S.: Neben einer guten Idee und Dramaturgie ist sicher eine gute handwerkliche Umsetzung das Wichtigste bei einer Filmproduktion. Eine gute, gezielte Kameraführung, aussagekräftige Interviewpartner, passender Schnitt sowie ein Screendesign und Farbkorrektur in der CI des Auftraggebers. Letzteres ist meines Erachtens gerade der Bereich, in dem am meisten Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Produktionen zu erkennen sind.

 

A.S.: Was wir oft sehen – was aber ebenso oft ein Problem mit den Kunden ist – ist eine Überlagerung mit Informationen. Kunden sehen Filme oft als vorgelesene Flyer, in dem alle Infos drin sein sollen. Das funktioniert beim Film aber nicht, weil im Visuellen nur Platz für wenige Botschaften ist. Imagefilm funktioniert wie ein guter Spielfilm: Mit möglichst wenig Text. Und die Texte, die dabei sind, sollten möglichst punktgenau Informationen vermitteln.

 

Wenn die Qualität dann stimmt: Wie groß ist die Konkurrenz hier im Bereich Image- und Produktfilm?

 

F.S.: Es gibt drei Bereiche von Konkurrenz: Das sind die großen Filmproduktionen, die Werbespots im fünf- bis sechsstelligen Bereich erstellen. Das sind hauptsächlich überregionale Anbieter. Dann gibt es viele kleine Firmen, die Imagefilme zu Festpreisen anbieten. Drittens gibt es noch den Mittelweg, auf dem wir uns befinden: Wir bieten den Komfort eines großen Unternehmens – Erreichbarkeit, Kontinuität, Zuverlässigkeit und Termintreue – rufen aber auf der anderen Seite nicht die Preise ab, die eine Firma dieser Größe verlangt. In Sachsen gibt es eine Handvoll Unternehmen, die in diesem Bereich arbeiten.

 

A.S.: Aber selbst diese unterscheiden sich stark voneinander, wenn man sich etwa die wenigen Dresdner Filmproduktionsfirmen anschaut. Man kommt sich hier eigentlich nicht in die Quere – man arbeitet im Gegenteil auch eher zusammen. Da ist das Konkurrenzumfeld in Berlin sicher härter. In Dresden muss man sich keinem irrsinnigen Preisdruck aussetzen, denn – bis jetzt – ist genug für alle da. Und da immer mehr Filme verlangt werden, wird das wohl auch so bleiben. Es sei denn, es gründen sich in naher Zukunft viele weitere Produktionsfirmen. Aber Sachsen ist ja, was Medien angeht, eher totes Gebiet.

 

In einem eurer Blogbeiträge ist zu lesen, dass es aber auch von den Unternehmen her – gerade in der B2B-Kommunikation – noch Vorbehalte gegenüber dem Medium Film gibt. Ändert sich das mit der Zeit?

 

F.S.: Die Vorbehalte sind schon noch da, aber nicht mehr in dem Maße. Gerade in dem Bereich B2B-Kommunikation hatten wir bis vor drei oder vier Jahren so gut wie keine Anfragen gehabt. Inzwischen ist etwa ein Drittel unserer Filme für die B2B-Kommunikation bestimmt. Das liegt daran, dass die Beurteilung, ob ein Film sinnvoll ist oder nicht, heute viel mehr über seine Wirkung als über Zuschauerzahlen gemessen wird. Wenn sich nur ein Zuschauer aufgrund des Films für das Produkt entscheidet, hat sich bei vielen unserer Kunden der Film bereits gelohnt. Das ist sicherlich ein ganz neuer und großer Weg, den man da geht, aber er funktioniert.

 

Vielen Dank für das Interview. Zum Sputnika-Portfolio von Die Filmagentur.

 


Interview: Stephanie Teistler

 

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