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„Mobile wird im Digitalen aufgehen.“

Dresden 21.02.2013

Knapp ein Viertel der Bundesbürger nutzt das Internet mobil. Ob auf Smartphone oder Tablet – die Mobilnutzung hat sich demnach in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt. Henry Heinke, Geschäftsführer von goyya, hat im Sputnika-Interview verraten, wie dieses Potential auch im lokalen Markt genutzt wird, warum es eigentlich keine Mobile-Marketing-Agenturen mehr gibt und warum dafür die bereits totgeglaubte SMS noch lebt. 


Die Mobile 360° Studie teilt Mobile User nach ihren Nutzungsgewohnheiten ein. Sind Sie demnach eher Enthusiast oder erfahrener Pragmatiker?

H.H.: Ich nutze Mobile schon sehr intensiv für E-Mail, SMS und Recherche, weniger aber im Zusammenhang mit Social Media. Was Twitter und Facebook angeht, mache ich nicht so viel – zumindest nicht privat. Ich bin in den Applikationen, die ich nutze, sicherlich eher selektiv.

Wie sieht das bei Ihren Kunden aus? Ist Mobile Marketing im lokalen Bereich schon angekommen?

H.H.: Was man sehen kann, ist, dass relevante lokalen Kunden – zum Beispiel Krankenkassen, Verkehrsbetriebe, Sparkassen - zunehmend auf den lokalen Kanal setzen. Das sieht man etwa an der DVB, die inzwischen eine mobil Webseite hat, auf der man in Echtzeit Informationen abrufen kann. Da ist schon einiges im Gange, aber meiner Meinung nach noch nicht allzu lang. Ich habe das Gefühl, dass sich viele noch an das Thema rantasten. 

Ab wann ist denn eine Mobile Marketing-Strategie für ein lokales Unternehmen sinnvoll?

H.H.: Ich würde das glaube ich immer empfehlen. Wir kommen eigentlich aus dem SMS-Geschäft, was ursprünglich der Einstieg für den Mobile Marketing-Markt gewesen ist, aber nicht für jede Marketingstrategie in Frage kam. Jetzt ist es so, dass man  Mobile Marketing gar nicht mehr vom digitalen Marketing trennen kann. Weswegen wir uns auch nicht mehr als reine Mobile Marketing-Agentur verstehen. Genauso sehe ich das auch für jemanden, der eine Dienstleistung oder ein Produkt anbietet. Der kommt gar nicht daran vorbei, diesen Mobile-Kanal zu nutzen.

Also Mobile Marketing für jedes Unternehmen, das bereits digital unterwegs ist?

H.H.: Genau. Mobile ist digital und gehört einfach dazu. Wer das verschläft hat meiner Meinung nach wirklich ein Problem. Das gilt vor allem für Shopportale. Man sieht mittlerweile oft, dass ein Kunde im Geschäft steht und schnell noch online nachschaut, was ein Produkt eigentlich sonst kostet oder ob es das vielleicht auch lokal noch woanders gibt. Ein weiterer Punkt ist, dass bei klassischen Werbemaßnahmen der Raum, um ein Produkt näher zu kommunizieren, sehr beschränkt ist. Deswegen gibt es von da aus den Link in die digitale Welt. Und der schnellste Weg über den wir dahin gehen, ist der über ein mobiles Endgerät.   

Braucht es mittlerweile diesen Link von der Offlinewerbung ins Mobile? 

H.H.: Man kann natürlich niemandem sagen, das er sein schönes Plakatmotiv mit einem QR-Code verunstalten muss. Das ist immer noch eine Frage die man unter Designgesichtspunkten klärt. Aber grundsätzlich ist es schon so, dass das, was in einer Plakatkampagne gemacht wird, weniger mit Information zu tun hat, sondern eher mit Image und Emotionen. Der Link zum Produkt in der digitalen Welt schafft dann ebendiese Verbindung zur Information. Natürlich kann ich hoffen, dass  derjenige der ein Plakat sieht, sich abends nochmal hinsetzt und im Internet gezielt nach einem Produkt sucht. Das funktioniert allerdings noch sehr viel besser in dem Moment, wo er vor dem Plakat steht - über einen QR-Code, eine SMS oder auch über einen Anruf. 

Was ist denn gerade der Standard, den auch die meisten Kunden fordern?

H.H.: Das fängt an bei ganz einfachen SMS-Lösungen -  das klingt antiquiert, ist es aber eigentlich nicht. Man denkt immer, die SMS sei schon längst tot, aber sie taugt immer noch für ganz viele Anwendungen. Im Vergleich zu Apps und mobilen Webseiten, deren Nutzung vom Vorhandensein eines Smartphones abhängt, erreicht man mit SMS eben jedes auch noch so alte Handy. Allerdings geht der aktuelle Standard mittlerweile klar dahin, dass vor allem Apps und mobile Webseiten für Kampagnen angefragt werden.

Das ist also der Standard. Gibt es auch was für Mutige?

H.H.: Die Kunden erkennen inzwischen auch im lokalen Bereich, dass Mobile Marketing ein neues Feld ist und wollen ausprobieren, ihre Angebote mobil aufzubereiten. Das ist schon ein Schritt, den nicht jeder tut. Technologisch ist aktuell Augmented Reality das, womit man ganz viel machen kann, an das sich aber noch nicht so viele rantrauen. 

Wie stehen Sie denn auf Anbieterseite da? Allein auf weiter Flur oder gehört Mobile Marketing mittlerweile zum Standardrepertoire der Agenturen?

H.H.: Ich denke, das gehört zum Repertoire. Man sieht, dass sich interessanterweise die Spezialisten im Portfolio aufeinander zubewegen. Einerseits ist es so, dass die klassischen Digitalagenturen zunehmend mobile Techniken anbieten. Bei uns ist es gerade andersrum - wir kommen eher aus dem mobilen Bereich und sehen, dass wir mehr in Richtung klassisches digitales Marketing gehen. Das hängt auch damit zusammen, dass es sonst zu viele Schnittstellen gibt. Wenn sich ein Kunde zwei verschiedenen Anbieter suchen muss, einen für den mobilen und einen für den digitalen Bereich, dann entstehen Schnittstellen, die man nicht immer unbedingt braucht. Eine digitale Strategie zu entwickelt, zu der Mobile einfach untrennbar dazu gehört, ist da die elegantere Lösung. 

Handelt es sich denn, auch gerade durch diese Annäherungen, um einen hart umkämpften Markt?

H.H.: Es ist jetzt so, dass Kunden zunehmend versuchen, sich in dem Thema auszuprobieren. Deswegen denke ich, dass auch ausreichend Potential für die Agenturen da ist. Andererseits kann man eben nicht mehr sagen, 'ich mache Mobile Marketing' und das ist dann alles, was ich tue. Ich denke schon, dass man da generalistischer ausgerichtet sein muss. Auch weil die Nutzung der Geräte miteinander verschwimmt. Man sitzt heute mit dem Smartphone oder Tablet vor dem Fernseher und konsumiert zum Teil parallel. Deshalb wird auch der Markt für Mobile Marketing insgesamt im digitalen Marketing aufgehen. 

Vielen Dank für das Interview.
Interview: Stephanie Teistler (st)
Bildquelle: goyya, PR

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