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MTR #29 – ujamii smart solutions

Dresden 24.03.2015
ujamii wurde 2012 von Michael Grundkötter und Arno Strehle gegründet, die seitdem noch kein einziges Mal Akquise betrieben haben – die Mund-zu-Mund-Propaganda läuft offenbar. Sputnika besuchte ujamii im Büro in Dresden Löbtau, einer Mischung aus Ideen-Zelle und Animationsfilm-Ausstellung.

Zum ujamii-Webquartett gehören neben den beiden Gründern Screendesigner Uwe Brandt und Consultant Daniel Kornauke. Für Kunden wie Sachsen Tourismus, die Sächsische Zeitung, die profi.com AG, UFA und übrigens auch Sputnika bieten ujamii Beratung, Webentwicklung, Webdesign und Web-Tests zu Performance und Usability.

ujamii ist Suaheli und bedeutet „Gemeinschaft“ – Grundkötter hatte die Namensgeschichte von kununu gehört, die sich ebenfalls von der afrikanischen Sprache inspirieren ließen. „ujamii“ soll die Werte und Grundidee des Unternehmens repräsentieren und wurde um „smart solutions“ erweitert – „damit jeder versteht, was wir tun".

2014 kamen zwei Drittel des Umsatzes aus dem Agenturgeschäft, der Rest von Endkunden. Obwohl ursprünglich weit mehr Endkundengeschäft geplant war, sind die Gründer heute zufrieden mit der Entwicklung – denn: „So kümmern die Agenturen sich um Vertrieb und Kundenkontakt, und wir konzentrieren uns ganz auf das, was wir am besten können: erfolgreiche Webprojekte an den Start bringen“, so Grundkötter.

Website // Portfolio auf Sputnika


Sputnika: Danke für die Einladung! Wie erklärt ihr ujamii in einem Satz?

Strehle: Coole Projekte mit coolen Leuten, die keine Codemonkeys sind und einfach abarbeiten, was der Kunde wünscht, sondern beraten.

Grundkötter: Wir wollen anders an Projekte herangehen als Agenturen, in denen aus verschiedenen Gründen nicht immer der Rahmen gegeben ist, um Kundenwünsche zu hinterfragen und einen Abgleich zwischen „Das wünscht sich der Kunde“ und „Das braucht er wirklich“ zu machen – denn das ist nicht immer das Gleiche. 



War dieser Ansatz auch der Grund, ujamii zu gründen?

Grundkötter: Ja, wir wollen Lösungen anbieten, die gut für die Problemstellung sind – denn Kunden wissen nun mal nicht immer, was die beste Lösung für ihr Projekt ist, deshalb suchen sie sich ja einen Dienstleister. Und wir wollen Kunden auch ablehnen können, wenn wir das Gefühl haben, es passt nicht. 
 

Wann ist das der Fall? 

Grundkötter: Wenn Projekte von vornherein zum Scheitern verurteilt sind und dennoch eine fünf- oder sechsstellige Summe reingebuttert wird, zum Beispiel von öffentlichen Stellen. Wenn Kunden keine Beratung wollen, sondern einfach nur das, was in ihrem Kopf ist, umgesetzt sehen möchten, ohne eine zweite Meinung dazu anzuhören. Wenn sie zum Beispiel auf ein bestimmtes CMS bestehen, obwohl ein anderes viel sinnvoller wäre. Solche Projekte lehnen wir auch deshalb ab, weil deren Misserfolg auf uns zurückfallen würde.



Es gibt ja Agenturen, die sich auf bestimmte Systeme spezialisieren, zum Beispiel werden Shops dann immer mit Magento umgesetzt. Welche Systeme bietet ihr an?

Grundkötter: Primär arbeiten wir mit TYPO3, kleinere Sachen auch mal mit WordPress, daneben Shopware und wenn es ganz individuell werden soll Symfony-Anbindungen. Wir haben auch Bestandskunden, die mit bestehenden Systemen zu uns gekommen sind, bei Onlineshops zum Beispiel Magento. Das würden wir generell zwar weniger empfehlen, beraten dann aber mit ihnen, ob wir das System weiterhin nutzen. 

Was ist falsch an Magento?

Strehle: Gar nichts, allerdings ist die Usability erfahrungsgemäß für Shopbetreiber weniger gut. Für „Laien“ ist deshalb Shopware zum Beispiel wesentlich einfacher zu bedienen. 


    


Entwickler und Gründer-Esprit passt gefühlt erstmal nicht wirklich zusammen – weil man Entwicklern häufig großes Sicherheitsbedürfnis und eine gewisse „Wechselfaulheit“ nachsagt, wenn sie einmal einen Arbeitsplatz gefunden haben, an dem es ihnen soweit gut geht.

Strehle: Wir fahren da einen ganz guten Mittelweg. Wir sind zwar beide sicherheitsorientiert, aber wir wollen erfüllende Projekte umsetzen und frei sein in der Entscheidung, mit wem wir arbeiten, sowohl auf Kunden- als auch auf Teamseite. 

Grundkötter: Grundsätzlich würde ich schon behaupten, dass wir Gründergeister sind, denn wir hatten beide vorher schon Firmen. Natürlich grübelt man in der Anfangsphase häufiger mal abends im Bett, ob das in Zukunft alles klappt wie erhofft. Aber das hat weniger mit Entwicklermentalität als mit einer positiven Grundeinstellung zu tun, die jeder Gründer braucht. Unserem Sicherheitsbedürfnis kommen wir nach, indem wir hauptsächlich langfristige Zusammenarbeit mit Kunden anstreben. 



Wieviel Konkurrenz habt ihr in der Region?

Grundkötter: Bei uns fallen allein durch unsere Größe manche Projekte raus, wir könnten also zum Beispiel keinen Kunden wie BMW betreuen. Zumindest nicht vollumfänglich, sondern nur bei einzelnen Aktionen. Und auch ganz kleine Kunden nicht, das machen dann eher Freelancer in Nebenberuflichkeit oder Einzelkämpfer. Insofern sind also schon mal auf beiden Seiten der Skala viele Kunden raus, weil sie zu groß oder zu klein sind. Und dann kommt dazu, dass wir ein gutes Netzwerk haben, viele Subbeauftragungen von Agenturen bekommen und deshalb ohnehin keine Konkurrenz-Probleme haben. Deshalb sind uns unsere guten Beziehungen auch so wichtig – wir würden zum Beispiel niemals in der Referenzliste von Kollegen wildern. Im Gegenteil, wenn Kunden zu uns kommen, von denen wir wissen, von wem sie eigentlich betreut werden, geben wir denen Bescheid, dass ihr Kunde sich offenbar gerade anderweitig umschaut.



Soll ujamii weiter wachsen?

Grundkötter: Ja, aber mit ziemlich harter Obergrenze, die wir uns bereits vor der Gründung gesetzt haben. Und wir wollen uns nicht breiter aufstellen was unser Angebot betrifft, sondern auch in Zukunft das machen, was wir jetzt schon machen, nur mit größeren Projekten.

Strehle: Das Familiäre, Persönliche soll erhalten bleiben, das bedeutet, dass wir perspektivisch maximal zehn bis fünfzehn Leute im Team sein wollen. 




Michael Grundkötter (l.) und Arno Strehle (r.) 


Was geht gerade ab im Internet, gibt’s typische Kundenwünsche-Trends?

Grundkötter: Gute Softwarequalität wird wichtiger – früher war die erste Frage immer: „Wie können wir das billig umsetzen?“, da setzt ein Umdenken ein. Die Kunden fragen zunehmend nach verlässlichen und qualitativ hochwertigen Lösungen. Sie sind eher bereit, Geld für Testing auszugeben – wenn man es anspricht. Sie fragen noch nicht aktiv danach, aber das wird kommen, bei der Usability war das ein ähnlicher Prozess und mittlerweile ist es ein Thema, das Kunden geläufig ist und das sie fordern. Ebenso Mobilfähigkeit, Performanz, Barrierearmut.

Strehle: Früher waren das die ersten Punkte, die gestrichen wurden. Dokumentationen, Tests – weg damit. Jetzt ist die Akzeptanz dafür spürbar besser geworden. 



Was sind die häufigsten Faupax, die euch von Websiten und aus Onlineshops – quasi als Berufskrankheit – immer sofort anspringen?

Strehle: Bei Onlineshops ändern sich permanent rechtliche Vorgaben, zum Beispiel Button-Lösungen, und ohne regelmäßige Betreuung kommt da kein Shopbetreuer hinterher. Aber meistens ist es eher so, dass ein Shop ins Netz gestellt wird – und da steht er dann, ist ja fertig. Niemand fasst ihn mehr an. Das ist auch ein Beratungsproblem, weil jeder Kunde eben nicht nur im Blick haben sollte, dass der technische oder kreative Anspruch super erfüllt wird, sondern auch die Contentpflege, die Performität, der Datenschutz und die rechtliche Seite beachtet werden müssen. 

Grundkötter: Wir verstehen es zum Beispiel als guten Service, dass wir Kunden, auch wenn sie keinen Supportvertrag mit uns haben, auf rechtliche Änderungen, Software-Updates, Datenschutz-Neuerungen und ähnliches kurz hinweisen und erklären, welche Folgen das für ihren Shop hat. 



Letzte Frage: Was ist in fast drei Jahren ujamii euer jeweiliges Lieblingsprojekt?

Grundkötter: Ich sitze gerade an meinem Lieblingsprojekt, da darf ich zwar noch nichts Konkretes erzählen, aber das Schöne daran ist, dass es kaum Vorgaben gibt und ich so sehr viele Ideen einbringen kann. Außerdem ist es ein Projekt, das dem Kunden mal viel Mehrwert bieten wird.

Strehle: Mein aktuelles Lieblingsprojekt ist der Relaunch der Website der UFA Kinokette. Das ist ein extrem dankbarer Kunde, der sehr viel Beratung einfordert. Abgesehen davon sind wir beide auch Filmnerds, wie man hier am Büro erkennen kann. (Anmerkung: Das stimmt – die Minions, die Blues Brothers und andere Filmhelden sind allgegenwärtig…)


Fotos: Stephan Böhlig, livemoment

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