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„Standortmarketing profitiert von Imagefilmen, die sehr erzählerisch sind“

Dresden 06.05.2016
Die Filmagentur produziert unter anderen Imagefilme für touristische Ziele, die oft sehr erzählerisch aufgebaut sind, fast wie Kurzfilme. Warum, und wie dieses Storytelling auf touristische Marken einzahlt, erklärt Fabian Schmidt hier

Der Imagefilm, den Sie für die Stadt Dresden über den Striezelmarkt produziert haben, erinnert von der Machart her an die Weihnachtsspots großer amerikanischer Marken. Warum haben Sie sich für diese Form entschieden?
Imagefilme für touristische Aktivitäten können auf verschiedene Arten umgesetzt werden: Als stimmungsvolle Reportage mit oder ohne Sprechertext und Interviews, oder als szenischfiktionaler Film, bei dem das touristische Ziel die Kulisse für eine einprägsame Geschichte ist. Es gibt dabei kein Richtig oder Falsch, sondern nur ein passend oder nicht. Zum sehr traditionsreichen, beinahe märchenhaften Striezelmarkt zum Beispiel passt eine fiktionale Rahmenhandlung einfach perfekt. Sie fängt den Zauber der Destination ein, zeigt dessen Besonderheiten und weckt dabei große Emotionen.

Generell eignet sich diese Erzählform für das Standortmarketing sehr gut – denn das lebt nicht nur von Fakten und Daten, sondern vor allem von Emotionen und Geschichten, die sich filmisch oft sehr schön integrieren lassen.



Bei einem Ihrer aktuellsten Projekte, dem Imagefilm für die DVB, mischen Sie beide Formen. Was bewirkt das?
Die Rahmenhandlung dieses Films wurde von uns wie ein klassischer Kurzfilm konzeptioniert: Ein Held steht vor einer Aufgabe, die es zu lösen gilt und durchläuft eine kleine charakterliche Weiterentwicklung. In unserem Fall sind diese Helden zwei Dresdner Kinder, die sich mit einer Menge Fachwissen darüber streiten, welche der beiden Bergbahnen die Bessere ist. Diese Meinungen bilden den Imageteil, der die Bahnen mit Informationen und schönen Aufnahmen bewirbt. Schließlich findet der Film zurück zur Rahmenhandlung und damit zur offenen Streitfrage, die auch von den Großeltern der beiden Kinder nicht gelöst werden kann. Denn das war auch nie die Aufgabe des Films. Vielmehr ging es darum, den Zuschauer selbst zu animieren, die für sich richtige Antwort zu finden – einen „call to Action“ quasi.Wir haben diese Form gewählt, um beiden Bahnen gleichwertig Rechnung tragen zu können und im Film keine zu bevorzugen oder zu kurz kommen zu lassen. Außerdem ist eine Handlungsaufforderung für den Zuschauer immer ein sinnvolles Element, um die Zielgruppe mehr zu involvieren.

Beide Filme wurden übrigens auf der ITB Berlin ausgezeichnet. Der DVB-Film 2016 als "Second Star", der Strizelmarkt-Film 2015 mit dem "Exzellent Award".



Müssen Unternehmen, die in ihrem Imagefilm ebenfalls auf Storytelling setzen wollen, mehr Budget einplanen?
Der organisatorische und konzeptionelle Aufwand für so eine fiktionale szenische Produktion ist meist deutlich größer, als für einen technisch vergleichbaren klassischen Imagefilm Es muss ein richtiges Drehbuch mit einer logischen Geschichte und sprechbaren Dialogen geschrieben werden. In Vorbereitung auf den Filmdreh selbst müssen dann Locations gesucht und gemietet werden, die den inhaltlichen Anforderungen des Drehbuchs genügen. Außerdem braucht man natürlich zu den Rollen passende Schauspieler, die müssen in Proben auf den Dreh vorbereitet und zeitlich und logistisch koordiniert werden.

Der Filmdreh selbst erfordert schließlich ein sehr professionelles Team, dass eine Atmosphäre ausstrahlt, in der sich die Schauspieler wohlfühlen und entfalten können. Mein Regisseur Alexander Schulz muss für den Dreh extrem gut vorbereitet sein und sehr erfahren mit der Komplexität beim Zusammenspiel von Bild, Licht, Ton und Schauspiel am Set vor Ort umgehen können.

Der Filmschnitt erfordert zudem ein großes künstlerisches und filmisches Verständnis für Bild und Takt, damit die Charaktere im Film klar heraus kommen, die Handlung verständlich für den Zuschauer wird und – ganz wichtig – Emotionen vermittelt werden. Erst dann entsteht ein gefühlvoller und glaubhafter fiktionaler Film. Man kann allerdings nicht pauschal sagen, ob so eine Produktion immer teuerer als ein „normaler“ Imagefilm ist.

Wenn statt einem fiktionalen Film ein technisch sehr aufwendiger Film an vielen Drehtagen produziert wird, kann dieser auch mehr Budget beanspruchen. Weitere Kostenfaktoren bei allen Arten von Filmen sind sinnvolle Zusatzleistungen wie eigens komponierte Filmmusik oder der Einsatz von Flugdrohnen, die Bild und Ton nochmal stark aufwerten.


Für wen eignen sich Filme dieses Typs?
Wir produzieren auch klassisch werbliche und informative Filme für Unternehmen, die keine konkrete Story erzählen. Wir raten Unternehmen immer dann zu diesen Filmen mit Storytelling, wenn die Marke grundsätzlich bei der Zielgruppe bekannt ist und der Film dazu dienen soll, das Image konkret zu schärfen. Außerdem eignen sich diese Filme besonders, wenn sie beim Zuschauer im B2C-Bereich mit dem Film besonders in Erinnerung bleiben wollen.

Wenn das nicht der Fall ist und es vor allem um Informationsvermittlung geht, produzieren wir für Unternehmen natürlich auch klassische werbliche und informative Filme, die keine konkrete Story erzählen.

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