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Wenn der Filmdreh sich wie Urlaub anfühlt

Dresden 24.04.2017
Eine schönere Arbeitsatmosphäre gibt es wohl selten. Im letzten Jahr weilte Alexander Schulz von der Filmagentur auf Mallorca und produzierte für Join the Crew einen Imagefilm über das Segeln. Uns hat er erzählt, worauf es beim Filmen auf See ankommt.

Spätestens in seiner Zeit als TV-Techniker auf einem Kreuzfahrtschiff entdeckte Alexander seine Leidenschaft für die unendliche Weite des unbeherrschbaren Meers. Ganz Europa – von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer – und den indischen Ozean hat er zu See dadurch bereits kennengelernt. Mit der Arbeit für Join the Crew kam nun ein weiteres Kapitel dazu.


Das Endergebnis: Die Version der Filmagentur 

Join the Crew organisiert Segelurlaube mit jungen Leuten in der Ostsee, im Mittelmeer, in der Karibik, auf den Seychellen und in Thailand. Der Segelreisenanbieter suchte über eine Internet-Anzeige Filmemacher, die Internetvideos über die verschiedenen Segelziele drehen. Nach der Zusendung von Referenzfilmen war der Auftraggeber schnell überzeugt und setzte der Filmagentur die Balearen als Ziel. Nicht viel später machte sich der Geschäftsführer der Filmagentur Alex mit seiner Freundin auf nach Mallorca zu einem einwöchigen Dreh auf einem 9-Mann Segelboot.

Die Vorgaben an die Filmagentur waren dabei recht überschaubar: Der Film sollte eine internetfähige Laufzeit von circa drei Minuten haben, schöne Aufnahmen von der Reise zeigen und dabei natürlich Lust auf das Segeln mit Join the Crew machen. Die Zielgruppe des Films war recht groß gefasst – alle Reiselustigen zwischen 18 und 35 Jahren sollten mit dem Video adressiert werden.

Da die Filmagentur bereits Erfahrung mit Kameradrehs auf Schiffen besitzt, wusste Kameramann Alex, dass mit Stativen an Bord nicht viel anzufangen sein wird. Zwar wären dann alle Teile des Bootes im Bild gerade, allerdings würde der Horizont immer schwanken. Außerdem ist auf einem 9-Mann Boot dafür kaum Platz. 

Meist versuchen Filmer von Internet-Segel-Videos das Problem mit mehr oder weniger wackeligen Handkameras zu lösen, die Filmagentur wollte aber nicht das Look-and-Feel eines Urlaubsvideos, sondern für kleines Budget möglichst hochwertig produzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, bedienten sie sich verschiedenen Hilfsmitteln: Zum einen drehte Alexander wann immer es möglich war in 4K, um in der Postproduktion genügend Spielraum für eine digitale Nachstabilisation zu haben.

Nur bei Zeitlupen wich er auf Full-HD aus, da 4K-Zeitlupen derzeit noch sehr großen und teuren Kameras vorbehalten sind. Bei starkem Seegang war aber dies auch oft nicht genug, die Lösung bot ein Ein-Hand-Gimbal, genauer gesagt das Came-TV Single. Für die wenigen Landaufnahmen hatte er zudem ein Gorilla-Pod Stativ im Gepäck.

An Kameras nahm die Filmagentur die Sony RX100 Mark IV mit auf die Reise, da diese einen sehr guten Bildstabilisator und unzählige Zeitlupenmöglichkeiten besitzt. Zudem ist sie klein und handlich. Dazu setzte er auf eine Panasonic G7 mit seinem Lieblingsobjektiv: dem Nokton 25mm sowie einigen Panasonic Linsen. Für Unterwassershots vertraute er auf eine GoPro4.

Um das Material direkt zu speichern, sichten und schon zu schneiden, hatte Alexander auch immer seinen Laptop dabei. Als Schnittprogramm diente Final Cut X. Die gesamte Ausrüstung unterschied sich kaum von anderen Urlaubern auf See und an Land, ein ungestörtes Arbeiten war also garantiert.

Drei Minuten Filmmaterial in einer kompletten Woche auf See zu drehen, ist natürlich nicht besonders schwer – zu viele tolle Momente und Eindrücke bieten sich während den sieben Tagen. Vor allem bei besonders gutem oder auch besonders schlechtem Wetter bieten Meer und Küste immer gute Motive. Nur die knallige Mittagssonne sieht auf hoher See eher ungut aus.

So verwundert es nicht, dass sich die Woche Dreh eher wie ein Urlaub als alles andere angefühlt hat und wie im Flug vorbei ging. Danach war der Schnitt dran. Mit dem Komponisten Sascha Knorr besprach die Filmagentur schon vor der Reise die Möglichkeiten der Vertonung. Sie legten sich darauf fest, das Motto „Abenteuer Segeln!“ in den Fokus zu setzen und dabei nicht die typische Pop- und Electro Musik zu verwenden, die oftmals unter Segelclips zu finden ist. Es sollte etwas mit mehr Charakter werden.

Mit Hilfe der Musik sollte die Struktur der Geschichte untermauert werden. In der Vorrecherche ist aufgefallen, dass die meisten Segelfilme eher nur mit beliebiger Musik unterlegte Diashows ohne Dramaturgie sind. Diesen Fehler wollte die Filmagentur nicht machen und dem Film einen gewissen Rahmen und eine Chronologie geben, der sich auch in der Musik widerspiegelt. Das Ganze stand unter dem dramaturgischen Aspekt eines Abenteuers.  

So beginnt der Film mit einer kurzen Einleitung, die das weite mysteriöse Meer beschreibt und Raum für Filmtitel-Einblendungen lässt. Als 1. Akt folgt ein Teil, bei dem Spannung aufgebaut wird, Vorbereitungen getroffen werden und sich etwas Großes ankündigt. Dies wird im Film mit Bildern des Hafens, des Einkaufs und der Segelvorbereitungen gezeigt. Schließlich legt das Boot ab, das Thema der Musik beginnt und der Film zeigt dabei das Segeln auf dem offenen Meer. Darauf folgt nochmal eine eher ruhige Passage, die den Landgang und Freizeit thematisiert und Raum für das Abenteuer lässt. Schließlich wird zum Finale übergeleitet: dem Segeln in den Sonnenuntergang.

Die grobe musikalische Skizze hat Sascha der Filmagentur schon auf die Reise mitgegeben, das ermöglichte Alexander bereits auf dem Boot einen Rohschnitt anzufertigen und ständig zu überprüfen, welches Material noch fehlt und benötigt wird. Ein Fakt, der gar nicht hoch genug bewertet werden kann, da so die Arbeit zu Hause deutlich entspannter ausfiel.

Aus über drei Stunden Rohmaterial die richtigen Bilder für jeden Takt zu finden, war nun die Aufgabe. Anschließend ging die Version wieder an Sascha, der nun die Musik exakt an den Schnitt anpasste und noch ein paar Geräusche anfügte.

Anschließend kam die Feinarbeit beim Bild – die Filmagentur erstellte ein Colorgrading, das sich vor allem am Azurblau des Meeres orientierte und durch Kontrast und Sättigung den Film einen gewissen Hochglanzlook verleihen sollte. Zum Ende wurden noch Blenden, Zooms, Stabilisatoren, Masken und Titel hinzugefügt.

Der Film war fertig und ging an den Kunden. Leider kam die Idee der Musik bei Join the Crew nicht so an, wie gewünscht – für den Auftraggeber entfernte sich der Film zu weit von seinen sonstigen Videos. Eine zweite Filmversion mit anderer, vom Kunden gewünschter Musik wurde erstellt. Diese Version war nun etwas schneller geschnitten und beinhaltete ein paar Aufnahmen mehr – die Bilder entsprechen aber ansonsten 1:1 der ursprünglichen Version.


Zweite Fassung des Films: die Join the Crew Version

Trotz dieser kleinen Schwierigkeit am Ende waren sowohl Produktion als auch Postproduktion für die Filmagentur ein reines Vergnügen. Neue Ideen für ein weiteres Segelprojekt sind bereits im Kopf. Zum Abschluss kann die Filmagentur nur jedem raten: geht segeln! Dieses intensive Gefühl von Natur und Freiheit könne kein Film vermitteln! 

Fotos: Die Filmagentur

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