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Was machst du da eigentlich?

Dresden 05.05.2017
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Grafiker, einem Illustrator und einem Zeichner? Wir haben Luisa Stenzel, 33 Jahre jung und ganz frisch als Grafikerin bei der Dresdner Erklärfilmagentur easyclipr an Bord, gefragt. Sie erklärt uns, warum in ihrem Job Zeichnen das A und O ist und was das mit dem richtigen Timing zu tun hat.

Sputnika: Luisa, wenn Dich jemand fragt, was Du beruflich machst, was sagst Du dann? Grafikerin, Zeichnerin, Illustratorin?

Luisa: Ich bezeichne mich selbst als Zeichnerin, denn genau das tue ich ja hier bei easyclipr - wenn auch digital mit Grafiktablett anstatt mit Papier und Bleistift. Wobei - letzteres kommt schon auch noch zum Einsatz, zum Beispiel bei der Konzeption unserer Storyboards. 

Was hast Du für einen beruflichen Hintergrund?

Studiert habe ich Design mit Schwerpunkt Illustration an der FH in Münster. Bevor ich zu easyclipr kam, habe ich Kinder- und Bilderbücher illustriert und Comic Workshops gegeben. Das Thema Wissensvermittlung durch Bilder begleitet mich also schon immer irgendwie.

Was muss jemand mitbringen, der Erklärfilme zeichnen möchte?

In erster Linie muss die- oder derjenige sehr gut zeichnen können, ein Verständnis von Perspektive, Farben, Formen und menschlichen Figuren haben. Um gut zeichnen zu können, muss man beobachten und genau hinschauen können und einfach immer und immer wieder sehr viel zeichnen, um hier Erfahrungen zu sammeln. Die Arbeit mit dem Grafiktablett und den Grafikprogrammen wie Illustrator oder Photoshop sind ebenfalls sehr wichtig für die Arbeit und man muss sie extrem gut beherrschen, Routine darin haben. Ein Abschluss als Illustrator ist übrigens nicht unbedingt eine Grundvoraussetzung, um in diesem Bereich zu arbeiten. Es zählt viel mehr ein fetziges Portfolio mit guten Referenzen, die zum Unternehmen passen.

Was unterscheidet dann Deine Arbeit von der eines “normalen” Mediengestalters?

Neben dem handwerklichen Können arbeite ich auch viel inhaltlich und konzeptionell. Ich muss mitdenken, mich eng mit Texter und Motion Designer abstimmen, damit am Ende alles ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Wir legen sehr viel Wert legen auf außergewöhnliche Ideen, versuchen quer zu denken. Nicht nur, damit es gut aussieht, sondern weil unser Fokus ja darauf liegt, Inhalte zu vermitteln und die soll sich der Betrachtende "easy" merken können. Deswegen wir müssen überraschen und den Nutzer direkt ansprechen. Das funktioniert sehr gut durch witzige Analogien und/oder thematische Brüche. Und dazu müssen wir auch mal wild und kreativ sein.


Charakter-Entwürfe 

Wie muss man sich Deinen Part bei der Entstehung eines Erklärvideos denn vorstellen?

Zuerst schaue ich mir den Sprechertext genau an. Hier sind meist auch schon Anweisungen an mich oder den Motion Designer enthalten. Ist das alles machbar, wie sich der Konzepter das vorstellt, oder muss noch einmal etwas geändert werden? Wenn das klar ist, mache ich mich an den Entwurf der Hauptakteure. Der Kunde hat bei uns ja die Möglichkeit, verschiedene Stile zu wählen. Ich überlege mir dann, wie sich Elemente aus dem Corporate Design des Kunden mit dem gewählten Stil zusammenbringen lassen und mache dann zwei bis drei erste Vorschläge. Wenn der Kunde sich für eine Gestaltung entschieden hat, setze ich mich dann - meist zusammen mit dem Motion Designer - ans Storyboard.

Was bedeutet das konkret?

Das Storyboard ist unser visualisiertes Drehbuch. Ich scribble hierbei in mehreren Einzelbildern, sog. Panels, die einzelnen Sequenzen des Films. Dabei hangle ich mich Satz für Satz am Sprechertext entlang, denn jede Aussage muss ja mit einem Bild nochmals wiederholt werden und muss vom Timing hundertprozentig passen. Das fertige Storyboard wird dann mit dem Kunden abgestimmt, bevor es schließlich an die Reinzeichnung der Szenen per Grafiktablett geht. So ein Tablett ist für meine Arbeit übrigens ein echter Segen! Objekte kopieren, in der Größe zu verändern oder bei einer Figur nur Kleinigkeiten für die nächste Szene zu ändern, das alles geht dank Tablett unglaublich schnell. 


Storyboard

Und was ist schließlich das Ergebnis Deiner Arbeit?

Wenn ich mit meinem Part fertig bin, übergebe ich an den Motion Designer alle Figuren und Objekte in einem Dateiordner, sortiert nach Szenen. Oft füge ich auch noch Anweisungen für die Animation hinzu. Er schnappt sich dann hieraus die benötigten Elemente und beginnt mit dem Zusammenbau von Sprechertext und Grafik.

Nun ist zwar jeder Kunde anders und jedes Thema kann auf neue Weise erklärt werden. Dennoch: Wie gelingt es Dir, kreativ zu bleiben, so dass am Ende nicht jeder easyclipr-Film gleich aussieht? Wo findest Du Inspiration?

Ich gehe einfach mit offenen Augen durch die Welt, lasse mich durch Bücher, Comics oder Animationsfilme im Internet inspirieren. Kürzlich sah ich zum Beispiel einen Erklärfilm der Illustratoren Organisation, dem deutschen Berufsverband der Illustratoren, den ich sehr toll fand. Wir haben hier im Büro auch eine kleine Schatzkiste, in der wir Bilder und Stilproben aus Zeitungen und Web sammeln. Ansonsten gibt ja der Kunde mit seinem Corporate Design immer schon eine Richtung vor und easyclipr hat einen eigenen Stil. So ganz frei gestalte ich daher eigentlich selten.

Wie fällt Dein Fazit nach 3 Monaten bei easyclipr aus?

Ich bin sehr happy! Die Arbeit ist enorm abwechslungsreich und ich mag es sehr, so stark innerhalb des Teams bei der Entwicklung eines neuen Films involviert zu sein.

Vielen Dank, Luisa!
 

Bildquelle: easyclipr

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